Antrag Behindertenausweis

Forumsbeiträge, die vor dem 06.06.2018 erstellt wurden
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Alex (Archiv)
Beiträge: 25
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Antrag Behindertenausweis

Beitrag von Alex (Archiv) »

Moin zusammen,



ich bin's nochmal...Alex....noch langem Ringen mit mir und meinen Herausforderungen möchte ich mich mit der Antragstellung des Behindertenausweis auseinandersetzen. Gibt es diesbezüglich hier Erfahrungen in Beantragen eines Behindertenausweis und den "Querelen" mit den Behörden ?



Vielen Dank für aufschlussreiche Info's



Euch allen ein angenehmes Wochenende und weiterhin viel Kraft und Ausdauer im Kampf gegen die Vaskulitiden.



Grus......Alex
GeNeRaL (Archiv)
Beiträge: 63
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von GeNeRaL (Archiv) »

hi alex,



ich kann dir nur raten, den antrag vom arzt machen zu lassen!



und das wichtigste sind nicht die ganzen diagnosen, sondern wie dich die krankheit im alltäglichen leben einschränkt wie z.b. ich kann nicht selbst einkaufen gehen u.ä.



diesbezüglich wäre der sozialdienst einer rehaklinik wahrscheinlich der beste ansprechpartner, da man beim erstantrag viel falsch machen kann!
Ingeborg
Beiträge: 4220
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von Ingeborg »

Hallo Alex,

für Vaskulitiden gibt es in den versorgungsmedizinischen Grundsätzen keine festen Werte, an die sich das VA zu halten hätte. Bestenfalls kann es sich an Muskelkrankheiten orientieren, aber davon habe ich noch nie gehört.



Es heißt dort: "18.2.3 Vaskulitiden

(z. B. Panarteriitis nodosa, Polymyalgia rheumatica)

Die Beurteilung des GdS bei Kollagenosen und Vaskulitiden richtet sich nach Art und Ausmaß der jeweiligen Organbeteiligung sowie den Auswirkungen auf den Allgemeinzustand, wobei auch eine Analogie zu den Muskelkrankheiten in Betracht kommen kann. Für die Dauer einer über sechs Monate anhaltenden aggressiven Therapie soll ein GdS von 50 nicht unterschritten werden."



Es kommt also auf die Auswirkungen an, die man dem Amt deutlich machen muß. Gut ist es, mit dem Arzt zusammenzuarbeiten, denn er wird dies schließlich bestätigen müssen.

Wenn Du meine kleine Broschüre zur (Schwer-)Behinderung möchtest, nenne mir Deine e-mail-Adresse per PN.

LG Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Hartmut (Archiv)
Beiträge: 1674
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von Hartmut (Archiv) »

Ich habe zu meinem Antrag immer Kopien von Krankenhaus Aufenthalten Labor und Arztberichte und zusätzlich Atteste von meinen behandelden Ärzten mitgeschickt und genau aufschreiben wie dich die Vaskulitis die NW der Medikamente und Folgeerscheinungen dich im täglichen Leben Physisch und Psychisch einschränken.

LG.HARTMUT
Ralf N (Archiv)
Beiträge: 435
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von Ralf N (Archiv) »

Der GdB wird nach Tabellen festgelegt, dabei sind mehrere Erkrankungen nicht in der Summe entscheidend.

Bei mir wurde der erste Antrag vom Sozialen Dienst in der Klinik gestellt (Kennzeichen G und 50% wurden genehmigt wegen 'Gefäßkrankheit'), im Folgejahr habe ich dann mit Hilfe meiner Ärzte eine Erhöhung auf 60% und Kennzeichen G bekommen (also Plus 10%).

Habe dabei auch alle Einschränkungen durch die Immunsuppression mit aufgezählt (keine Veranstaltungen wegen Infektionsgefahr...).

Bring alles rein, was zählen kann. Unter 50% sollte immer möglich sein - ist dann auch erst steuerwirksam.

Viel Erfolg!

LG

Ralf
Alex (Archiv)
Beiträge: 25
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von Alex (Archiv) »

Hallo zusammen,



vielen Dank für euere Hinweise. Die Aufzeichnungen der Nebenwirkungen und Einschränkungen lassen sich zusammentragen, das sollte kein Problem sein...

Da ich aber viel hinterfrage geht es mir auch jetzt so...



"Wird man es als "Stigma" ansehen ?"

"Werde ICH es als Stigma ansehen ?"



Wie ist es euch ergangen ??



Gruss........Alex
slenny (Archiv)
Beiträge: 436
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von slenny (Archiv) »

Hallo Alex, ich musste klagen, weil mein Widerspruch abgelehnt wurde. Das VA SH hat nicht entsprechend der Regularien entschieden. Aber jetzt hab ich 60% erhalten, meine RZA wurde mit 30% bewertet. Sogar der Gutachter sagte, bei eindeutigen Diagnosen ist das individuelle Leiden zweitrangig. Das gaukeln sie uns vor, damit wir keine Anträge stellen. Bei der Klage hat mich der VdK unterstützt. Da das Amt von sich aus immer die Ärzte anschreibt, brauchst du keine Unterlagen einzureichen. Gib alle deine diagnostizierten Erkrankungen und Ärzte und KHs an. Das ist ganz wichtig. Und stell dich auf einen langen Zeitraum ein. Bei mir hat es alles in Allem 1,5 Jahre gedauert, was schnell ist. Steuerlich schlägt Behinderung ab 30% zu Buche, 430Euro/J. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, weil es mir ermöglicht, mit 63 J ohne Abzüge in Rente zu gehen. Dir viel Erfolg!
GeNeRaL (Archiv)
Beiträge: 63
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von GeNeRaL (Archiv) »

hi alex.



also mir erging es so, dass ich es trotz anraten anfangs, die ersten 2 jahre abgelehnt hatte. ich habe da ähnlich gedacht, wollte es natürlich auch nicht wahrhaben. in der reha hat man mich überzeugt und auch nägel mit köpfen gemacht und im nachhinein denke ich mir...



hättest auch schon viel früher machen können, andere mit kleinstwehwehchen taten das ja auch.
Wolke (Archiv)
Beiträge: 152
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von Wolke (Archiv) »

Hallo Alex,



ich denke "behindert" sind wir mit oder ohne Behindertenausweis. Das mußt du für dich entscheiden, ob sich durch einen schriftlichen Bescheid darüber etwas für dein Empfinden ändert und du es als Stigma empfindest. Wenn du es angehst brauchst du wahrscheinlich gute Nerven wegen eventuellen Widersprüchen und das über längere Zeit. Das hat mich mehr mitgenommen als der Antrag.



Liebe Grüße

Wolke
nordlicht (Archiv)
Beiträge: 39
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Antrag Behindertenausweis

Beitrag von nordlicht (Archiv) »

Hallo Alex,

ich habe vor einem Jahr den Behindertenausweis beantragt. Damals hatte ich auch gerade die teilweise EMR beantragt. Wegen der EMR hatte ich mit meinem Arbeitgeber gesprochen und der hat so im Nebensatz auf die Schwerbehinderung hingewiesen. Ich wäre glaube ich gar nicht auf die Idee gekommen, habe das dann aber gemacht, weil mein Arbeitgeber ja auch Vorteile hat, wenn er Schwerbehinderte beschäftigt. Zudem hatte ich aktuelle Unterlagen wegen der EMR zur Hand. Eine richtige Diagnose hatte ich damals noch gar nicht, nur Verdacht auf MPA. Seit Herbst 2016 habe ich jedoch die gesicherte Lupus-Diagnose.

Ich habe die Schwerbehinderung online über https://www.lsonline.niedersachsen.de/ls-online/onlineformulare/

beantragt. Das war super einfach. Man kann sich zwischendurch ein paar Tage Gedanken machen, und das dann noch einpflegen. Nachdem ich den Antrag online abgeschickt hatte, habe ich eine Bestätigung des Eingangs erhalten und dann habe ich einfach ein Passfoto per Post nachgeschickt.

4 Wochen später hatte ich doch tatsächlich meinen Schwerbehindertenausweis in der Post! Und natürlich die richtige Feststellung und Begründung dazu. Das Ganze ist befristet, dann werde ich also noch mal geprüft.

Bei der Beantragung habe ich mir nicht viel Gedanken gemacht, da ich das eigentlich nur für meinen Arbeitgeber getan habe und ehrlich gesagt auch nicht mit 50 GdB gerechnet habe. Als ich dann den Ausweis in der Hand hielt, kamen mir die Tränen. Jetzt hatte ich schwarz auf weiss, wie kaputt ich bin! Das war ein sehr merkwürdiges, trauriges Gefühl! Zumal man mir meine Krankheit nicht ansieht, und ich immer versuche gut gelaunt zu tun, wenn ich mit anderen zusammen bin. Als ich meinen Kollegen wegen den 5 zusätzlichen Urlaubstagen davon erzählte, konnten die das kaum glauben, die wussten zwar, dass ich krank bin, aber ich glaube, die haben das nicht wirklich ernst genommen. So gesehen habe ich nun einen "Beweis" echt krank zu sein!

Ansonsten weiss ja kaum jemand, dass ich diesen Ausweis habe, normale Bekannte müssen das nicht wissen. Meine Freunde wissen das, und ehrlich gesagt finde ich bei einigen diesen "Beweis" auch gar nicht schlecht...

Günstigeren Eintritt usw. habe ich noch nicht wirklich nutzen können, da es mir zur Zeit nicht so gut geht und ich wenig unterwegs war.

Trotzdem, wenn du mich fragst, beantrage den Ausweis, hab ihn immer bei dir, und ob und wem du ihn zeigst, kannst du dir individuell überlegen!

Viel Erfolg!

LG
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