Disiformycin A und B heißen die beiden neuen Wirkstoffe, die MRSA töten, aber menschliche Zellen nicht angreifen. Sie wurden vom Team der Helmholtz-Institute im Saarland und in Braunschweig rund um Rolf Müller entdeckt.
In jahrelanger Forschung haben die Wissenschaftler Wirkstoffe aus Myxobakterien - das sind Bakterien, die überall da leben, wo Pflanzenreste zerfallen - gewonnen. Das Team hat eine Datenbank erstellt, in der diese Stoffe inventarisiert sind.
Ein Versuch mit einem Extrakt aus neuen Myxobakterien hinderte den Staphylococcus Aureus am Wachstum. Wie eine Kontrolle in der Datenbank ergab, handelte es sich um einen bisher unbekannten Wirkstoff. Wie sich herausstellte, funktioniert er anders als herkömmliche Antibiotika.
Letztere zersetzen die Zellwand von Bakterien. Dagegen haben aber mittlerweile viele Bakterien Schutzmechanismen entwickelt. Deshalb wirken die alten Antibiotika nicht mehr. Im Jahr 2011 waren 12-25% aller Staphylococcus Aureus -Stämme in Deutschland resistent. In Portugal und Ungarn lag die Quote bei über 50%, in Italien, Griechenland, Zypern und Malta zwischen 25 und 50%! Werden Patienten, die operiert werden, mit einem solchen Bakterium infiziert, liegt die Sterblichkeit bei 20%! Patienten, deren Immunsystem, etwa durch eine Vaskulitis-Therapie, geschwächt ist, sind besonders gefährdet.
Das Leibniz-Institut für Natrustoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena hat ungefähr zum selben Zeitpunkt, wie die Helmholtz-Institute einen ähnlichen Wirkstoff entdeckt. Gemeinsam arbeiten nun die beiden Teams an einer Weiterentwicklung des inzwischen patentierten Wirkstoffes, sodass er baldmöglichst Patienten und Ärzten zur Verfügung steht.
Mehr Info:
Helmholtz Perspektiven Nov-Dez 2014, S. 6-8