Und was ist mit sterben?

Forumsbeiträge, die vor dem 06.06.2018 erstellt wurden
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Friedolin (Archiv)
Beiträge: 688
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Und was ist mit sterben?

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Habe folgenden Artikel zur Sterbehilfe gelesen:



http://news.doccheck.com/de/34775/sterbehilfe-viel-qual-wenig-wahl/



Ist ja auch für uns interessant. Wie seht ihr das denn?
S. (Archiv)
Beiträge: 2490
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von S. (Archiv) »

In den Niederlanden kann jemand, der unheilbar krank ist, mit seinem Hausarzt Sterbehilfe vereinbaren. Der Hausarzt ist nicht verpflichtet, die Sterbehilfe zu leisten, er kann es auch ablehnen. Dann wird ein anderer Arzt gefragt.

Eine Freundin von mir hat so eine Verabredung getroffen. Sie wußte, dass sie sterben würde, auch den ungefährenen Zeitraum. Sie wollte Sterbehilfe, wenn sie es nicht mehr aushalten würde. Die Verabredung hat dazu geführt, dass sie entspannter dem Tod entgegensehen konnte, weil sie das Gefühl hatte, dass sie das Ganze noch irgendwie selbst im Griff hat, nicht von den Entscheidungen Anderer abhängig ist. Mindestens genauso wichtig war die sehr gute palliative Versorgung und psychische Begleitung, auf die sie zurückgreifen konnte. So hat sie dann die Sterbehilfe letztlich nicht in Anspruch genommen.

Bleibt noch zu erwähnen: sie hat bis zum letzten Moment jede Sekunde ihres Lebens voll gelebt und für sich genutzt. Sie hätte gerne weitergelebt. Ich habe bei ihr gesehen, wenn man wirklich ganz direkt und nicht abwendbar vor dem Tod steht, ist einem das Leben unendlich wertvoll!



Es gibt noch einen Aspekt: Carpe Diem! Das ist eine Idee, die jeder Buddhist unterschreiben würde. Denn das menschliche Dasein, egal, mit welcher körperlichen oder psychischen Bürde belastet, ist das Einzige, das es erlaubt, sich aus der Gefangenheit im Kreislauf der Wiedergeburten, mit dem darauffolgenden Leben aus Schmerz und Leiden, zu befreien. Das Christentum, das Judentum und der Islam formulieren es anders, aber im Kern ist es dasselbe: das Menschsein alleine erlaubt den Eintritt ins ewige Leben. Deshalb ist für sie das menschliche Leben so unendlich wertvoll. Deshalb ist es aus ihrer Sicht einfach leichtfertig, es vorzeitig zu beenden.

Nicht das Äußere ist entscheidend für den Sinn des Lebens, sondern das innere Leben, die Konzentration auf den Kern des Menschen, wie das Christentum sagt, auf den göttlichen Funken in der Seele.
Claudine62 (Archiv)
Beiträge: 525
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Claudine62 (Archiv) »

Schwieriges Thema!!!!

Wie soll ich da anfangen?Auf jeden Fall bin ich für die Sterbehilfe,wenn klar ist,das es keine Rettung mehr gibt!

Aber wo fängt es an,das Leben,das nicht mehr lebenswert ist!

Für mich steht fest,das ich auf keinen Fall mit offenem Mund, besinnungslos und sabbernd,hier zu Hause im Wohnzimmer ,in einem Pflegebett liegen möchte!Dann lieber ab in die Kiste und gut ist es!Wenn wir hier darüber diskutieren(mein Mann verläßt bei solchen Themen das Zimmer)sind wir uns einig,das das für keinen meiner Leute in Frage kommt,das "Leben ohne Qualität"!!!

Vor kurzem habe ich mal zu meiner Mutter gesagt:Wenn du hoch kommst und ich liege in der Ecke und röchel noch,dann gehe noch mal für eine Stunde nach unten und warte,bis ich es geschafft habe!Sie war entsetzt!!!!!

Sterbehilfe und unterlassene Hilfeleistung,so wie ich oben geschrieben habe,ist immer ein heikles Thema!

In diesem Sinne,eine gute Nacht

Claudine
Meerschwester (Archiv)
Beiträge: 744
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Meerschwester (Archiv) »

Hi Friedolin,

das Thema ist auch für mich persönlich brisant, weil ich im Sommer beinah gestorben wäre, wie mir erst jetzt wieder mein behandelnder Arzt gesagt hat. Ich lehne aktive Sterbehilfe ab und finde sie sehr gefährlich, weil ein gesellschaftlicher Druck zum "Sterbenmüssen" auf Menschen ausgeübt wird, oder sie das so empfinden (gerade auch auf die Eltern bei schwerstkranken Kindern). Ich habe aber eine Patientenverfügung, in der ich lebensverlängernde Maßnahmen unter bestimmten Umständen ablehne (Reanimation oder auch einen PEK). Auch das ist kritisch, weil auch ich nicht genau weiß, wie ich mich in bestimmten Umständen entscheiden würde, wenn ich es sagen könnte. Aber zumindest macht sie meine Grundeinstellung deutlich. Das kann ich nur jedem raten.

Bei meinen Eltern wussten meine Schwester und ich eigentlich immer, was richtig ist und was nicht. Ich glaube, dass man da viel Vertrauen braucht.

Bin gespannt auf die anderen Beiträge.

Liebe Grüße

Meerschwester
Wattwurm (Archiv)
Beiträge: 1458
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Wattwurm (Archiv) »

Wer wirklich sterben möchte sollte das unmissverständlich in einer Patienten Verfügung ganz deutlich klar machen,

Zb keine Reanimation, keine PEG , keine Beatmung, keine Bluttransfusion... und und und.....

Also nur mal sagen " dies oder jenes möchte ich nicht" gilt nicht, denn wer von den Angehörigen ist im Ernstfall in der Lage zu sagen,

" ach da lassen sie meinen Mann doch verbluten, das wollte er so "

KEin Arzt wird das befolgen, also zu lebzeiten alles regeln

Und wenn man wirklich möchte dann findet man Wege seinem Leben ganz friedlich ein ende zu setzten, mit Medikamenten

Gruss wattwurm
Meerschwester (Archiv)
Beiträge: 744
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Meerschwester (Archiv) »

PS Was S. schreibt, ist eben die andere Seite, die auch was für sich hat. Leider gibt es keine allgemeingültige Antwort. Das ist glaube ich auch das Problem bei einer gesetzlichen Festlegung, die eben allgemeingültig sein muss-

Meerschwester
Silberlocke (Archiv)
Beiträge: 134
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Silberlocke (Archiv) »

Moin,

ein ernstes aber wichtiges Thema wie ich finde. Ich selbst habe Vorkehrungen getroffen, Patientenverfügung usw. Obs was hilft??

Ich habe mich auch der Organisation DGHS, humanes Leben/humanes Sterben angeschlossen, die haben sehr gute Ansätze, und können den Verfügungsberechtigetn bei der Umsetzung der Patientenverfügung helfen. Ob man Sterbehilfe bei einer misslungenen Geschlechtsumwandlung leisten sollte, naja, das sind eben genau die Grenzen, wer will die Grenze ziehen? Schwierig! Und Herr Montgomery, Chef der Bundesärztekammer, hat uns leider mit seinen Aussagen wieder in die Steinzeit versetzt, schade. Ich glaube jedenfalls das man ein Recht auf humanes Sterben hat, in Deutschland leider nur ungesetzlich oder nicht zufriedenstellend möglich, im Ausland oft zu teuer. Aber eins sollte jeder tun: mit den Angehörigen sprechen und deutlich die eigene Position und Willen mitteilen, denn die müssen sich schlussendlich mit den Ärzten auseinandersetzen, die immer noch mehr Schläuche und Apparate anschliessen wollen.



In diesem Sinne

VG

Silberlocke
Meerschwester (Archiv)
Beiträge: 744
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Meerschwester (Archiv) »

PPS: Ich habe lange überlegt, ob ich euch das Gedicht schicken soll, tus jetzt einfach und zwar für Friedolin für die Frage, für Wattwurm, Ingeborg, Inge, Theresia, S. und alle, die mich in dieser schwierigen Zeit unterstützt haben und unterstützen:



Wächter



Der Wächter am Bett

steht abwartend da

Ich habe keine Angst

und doch weiß ich

tief im Innern.

Ich muss etwas unternehmen.



Bist du der Todesbote

oder warnst du zum Leben?



Der Wächter am Bett

steht abwartend da.

Was geschieht mit mir?

Ich weiß tief im Innern

ich darf nicht abwarten.

Noch ist es nicht Zeit.



Copyright (c) 2013 Meerschwester

BITTE NICHT OHNE MEIN Einverständnis WEITERGEBEN!!
S. (Archiv)
Beiträge: 2490
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von S. (Archiv) »

Wollte noch hinzufügen:

Dem Vater einer anderen Freundin von mir, über 90 Jahre alt, hat das Gremium in den Niederlanden, das dann immer eingeschaltet wird, den Wunsch auf Sterbehilfe abgelehnt. Er ist nicht sterbenskrank, sondern er leidet an Depressionen. Genau deshalb hat das Gremium seinen Wunsch abgelehnt.
Friedolin (Archiv)
Beiträge: 688
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Ups, mir war gar nicht so klar dass das ein so heikles Thema ist. Ich persönlich gehe da sehr pragmatisch mit um. Es ist schließlich mein Leben über das nur ich allein entscheide. Ich möchte dementsprechend auch selbst entscheiden an welchem Punkt es endet. Ich habe nach dem Ausbruch der Erkrankung monatelang im Krankenhaus gelegen und ich wollte damals sterben weil ich das Elend nicht länger ertragen wollte. Tatsächlich war ich aber nicht in der Lage dazu dem selbst ein Ende zu setzen da ich mich schlicht und ergreifend nicht bewegen konnte. In so eine Situation will ich nie wieder kommen, deswegen finde ich es sehr bedauernswerten das man in Deutschland diesbezüglich bevormundet wird.Es muss ja keiner in Anspruch nehmen, wer nicht möchte, aber man darf es anderen auch nicht vorenthalten die das anders sehen. Das ist zumindest meine Meinung.
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