Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Alles rund um das Leben mit Vaskulitis
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Diego
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Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Diego »

Hallo liebe Mitleidenden und Mitleser,

Ich bin neu hier und habe bereits einige Geschichten von euch gelesen. Einfach traurig, was wir alles bis zur Diagnosefindung durchmachen muessen, als waeren diese seltenen Erkrankungen nicht schlimm genug?


Aus der Verzweiflung heraus erzaehle ich mal meine Geschichte so kurz wie es geht. Vielleicht erkennt von euch ja jemand etwas was der Rest uebersieht. Wenn nicht, dann reicht auch ein freundliches Hallo :)


Zu mir:
ich bin 30 Jahre jung und bekam mit ca. 20.Jahren meine erste Diagnose - Colitis Ulcerosa.
Im jugendlichen Leichtsinn hab ich das alles nicht so ernst genommen und mich fuer ausreichend gesund gehalten. Neben der Chronischen Darmentzuendung hatte ich 3 Operationen nach Abszessen, Haeufige Mandelentzuendungen, Gelenkschmerzen in Beinen / Fuessen und Hautausschlaege. Alles halb so wild, denn ich bin auch jemand der jeden Arztbesuch scheut der nicht notwendig ist.

An meinem 25. Geburtstag sollte sich aber alles aendern. Grad aus dem Krankenhaus entlassen nach einer Grippe stuermte ich direkt zum Fussball spielen.
Ein Fehler, denn kurze Zeit spaeter war ich im Krankenwagen (mein Schlimmster Tag mit den staerksten Schmerzen die ich je hatte begann) mit Verdacht auf Herzinfarkt. Erst hiess es ca. 4 Tage lang Herzinfarkt auf der Intensivstation spaeter wurde ich aber mit der Diagnose Herzmuskelentzuendung nach knapp 4 Wochen entlassen.

Und ich sollte nie wieder gesund werden oder mich wenigstens so fuehlen :(
Von nun an plagten mich diese unaushaltbaren Rueckenschmerzen auf der hoehe der oberen Brustwirbelsaeule. Bei Schmerzspitzen strahlen diese in den Brustkorb aus... Gegen diese starken Schmerzen nehme ich 75 Mikrogramm Fentanyl Pflaster und Tramadol unretadiert mehrfach am Tag. Es gibt nichts staerkeres in Deutschland als Fentanyl und dennoch ist es grad so ausreichend um die Schmerzen auszuhalten. Nachts wache ich ab und zu mit eingeschlafenen, kribbelnden Haenden auf.

Fuer mich war es naheliegend, dass die Schmerzen durch meine kuerzlich durchgemachte Herzmuskelentzuendung entstanden sind sei es durch Herzschaeden oder Arteriosklerose??!

Diagnostiziert wurde mir aber eine Hla b 27 assozierte Spondyloarthtis also ne Art Morbus Bechterew.

In der Zwischenzeit kaempfte ich weiter um meine Gesundheit und erfuhr, dass ich einen Gastroenterologen brauche fuer meine Chronische Darmentzuendung. (besser spaet als nie :)) Dieser und 4 weitere Aerzte wo ich anschliessend Gedarmgespiegelt wurde aenderten meinen Befund von Colitis Ulcerosa in Morbus Crohn.

Mein Gastro empfahl mir dann Humira, was fuer die Gelenke und den Darm helfen wuerde. Ich hatte davon keinerler Wirkung daher sind wir auf Infliximab umgestiegen.
Darunter entwickelte ich eine 4 Woechige Mandelentzuendung und kurz darauf Kam wieder der Notarzt, ich war halbseitig gelaehmt konnte nur einseitig was sehen und hatte einen kompletten Sprachverlust nachdem ich wirres Zeug geredet habe.
Es war aber kein Schlaganfall sondern der Beginn meiner Migraene mit Aura! Wow, vorher noch nie was von solchen Auren gehoert...

Danach hab ich den Immunsuppressivas sofort den Ruecken zugedreht und mit einer Basismedikation fuer den Crohn und den Fentanyl Pflastern fuer die Bws Schmerzen weitergemacht... 10-15 Stuhlgaenge Pro Tag waren dauerhaft die Quittung. Von einem Moment auf den anderen verlor ich dann 25 kg in wenigen Monaten ohne dass ich etwas dagegen tun konnte und wog nur 56 kg... erschreckend... Canabis Tropfen die ich zu diesem Zeitpunkt fuer meine Schmerzen bekam waren meine Rettung, sofort Appetit bekommen und auf 65 kg stabilisiert bis heute.

Die darauffolgende Zeit dann irgendwie durchgekaempft jeder kennt diese Phasen wohl, auch eine Reha besucht die reine Zeitverschwendung war.

Dann wurde ich Papa von einem tollen Jungen und biss weiter auf die Zaehne egal wo es wehtat oder wie wenig Kraft ich hatte.

In der Zwischenzeit bekam ich auch fuer meine Dauerhaft nicht freie Nase ein Rezept welches extra fuer mich zusammengestellt wird. Ein Cortisonhaltiges Nasenspray fuer 25€ im Monat. Benutze dieses zum Schlafen mit freier Nase. Ausserdem plagt mich haeufig ein Druck oder Luft in den Ohren ohne das der Hno Arzt was sieht. Alles in allem empfinde ich meine Hno Beschwerden aber nicht so gravierend.

Gravierend und schockierend sollte aber meine pAVK Diagnose Anfang des Jahres sein. Anfang Januar konnte ich kaum noch gehen, meine Fuesse waren immer arschkalt und mein kleiner Zeh fuehlte sich an als wuerde er absterben. Gott sei Dank reagierte meine Hausaerztin sofort und ich bekam noch Ende Januar eine Angiogragie des Beines. Der Arzt konnte seinen Augen nicht trauen, denn ich habe eine pAVK Diagnose im vorletzten Stadium also vorm Absterben des Gewebes. Ein Befund, den es normalerweise selten bei unter 70. jaehrigen gibt.

Das Internet sagt, das fuer eine pAVK in 95 % der Faelle eine Arteriosklerose verantwortlich ist, dass was ich als erstes nach meiner Herzmuskelgeschichte in Betracht zog... dennoch will mein Angiograf auf Grund der Tatsache dass ich so jung bin und bis auf Bewegungsmangel (trinke kein Alkohol und nie geraucht gute Ldl Werte) keinen Grund fuer eine pAVK Habe eine Stationare Rheumatologische Abklaerung Schwerpunkt Vaskulitis.
Bis dahin sollte ich nur Ass 100 nehmen, welche meinen Darm voellig zerstoert haben. 20 Schwarze, blutige Durchfaelle pro Tag.
Auch meine Hausaerztin will eine Vaskulitis Untersuchung, ebenso wie meine neue Gastro und eine Onkologin die mich auf Grund von vielen 1,5 cm lymphknoten im Darm untersucht hat.

Ohne Rheumatologische Abklaerung also keine sinnvolle Therapie moeglich. Die Anfangszeit von Corona hab ich noch abgewartet aber es ging jetzt zum Schluss gar nichts mehr bei mir. Selbst auf der Couch sitzen und TV Gucken war nicht mehr moeglich. Lag nur noch im Bett.


So ging es also vor 9 Tagen, laengst ueberfaellig ins Krankenhaus auf die Rheuma Station. Und so beginnen aus meiner Erfahrung die meisten Albtraeume....

6 Stunden in der Zna dann aufs Zimmer gekommen. 2 Tage lang kam dann niemand zu mir, geschweige denn dass ich bei ueber 20 toiletten Besuchen wenigstens am Tropf bin.... Wurde dann sauer und habe mir selber einen Arzt hergeholt. Doch leider wirkte dieser sehr unkompetent und war der deutschen Sprache kaum maechtig. ( und ich bin der Ansicht, das Sprachdefizite in der Medizin sehr gefaehrlich und anstrengend sind.) haette am liebsten sofort das Krankenhaus gewechselt doch kurz darauf kam der Oberarzt und machte mir Hoffnung. Zu dem hatte ich sofort Vertrauen. Doch leider stellte sich heraus, dass der nur 1 x pro Woche Visite macht und somit quaele ich mich taeglich mit komischen Aerzten hier rum, die meine Akte maximal zu 10% kennen. Sinnlose Unterhaltungen.

Habe denen Dann erklaert, dass der Grund meines Besuchs die Ursachenforschung der ausgepraegten PAVK ist damit eine sinnvolle Therapie stattfinden kann.

Desweiteren muss sich ein Hautarzt meine 3 Probleme anngucken unter anderem Verdacht auf Schuppenflechte und letztendlich sollte auch meine Schmerzmedikation optimiert werden.


Anfangs wurden mir dann meine Blutwerte taeglich abgenommen und mir wurde gesagt, dass die dran sind an meinen Pavk Befunden, weil sie die Bilder selbst sehen wollen, weil man in meinem Alter nicht so einen Befund haben koenne.

Am Wochenende ueberraschte mich dann ein anderer Chefarzt von einer anderen Station und teilte mir mit ich muesse sofort mit 100 mg Cortison anfangen, weil ich wohl eine Vaskulitis der mittleren Gefaesse habe und die keinen Tag warten wollen.
War dann natuerlich voellig geschockt, habe schliesslich einen einjaehrigen Sohn Zuhause der mich braucht. Fuer mich klang das total nach Panarteritis Nodosa und die Symptome dieser Erkrankung wuerden schon passen einigermassen. Die folgende Zeit war sehr zermuerbend. 2 Tage spaeter erfuhr ich aber dass sie nach einem Wegener suchen und nicht Nodosa... Wegener hab ich fuer mich persoenlich aber nicht in Betracht gezogen. Die Symptome sind nicht aehnlich genug, habe nichts mit Lunge oder Nieren etc.. sondern Herz, Haut, Darm und Beine und gelegentlich noch Kopfkraempfe.

Passt fuer mich nicht zu einem Wegener aber ich kann verstehen, dass die dann ein Ruecken und Gesichtsgefaess mrt gemacht haben, weil meine

PR3 Anca ± 34 waren was ja fuer Wegener spricht, verraet mir das Internet.

Ausserdem stand da noch "AAK Neutrophilen cyt sind positiv. (was is das?)
Das ergibt eine ungewoehnliche Befundkonstellation."

jedenfalls kam kurz darauf wieder eine andre Aerztin nach dem ich noch eine Darm und Magenspiegelung hatte und erzaehlte mir erstens ich haette wohl keinen crohn sondern eine Colitis Ulcerosa im kompletten Dickdarm. Meine Darmerkrankung wechselt scheinbar alle 5 Jahre :?: Abgesehen davon, dass das gar nicht so der Hauptgrund meines Besuchs erstmal ist. ob ich 8 mal oder 12 mal am Tag auf Klo renne ist mir aktuell nicht so wichtig wie meine Zehen vor der Amputation oder noch schlimmerem zu retten.

Und nachdem die mich vor 3 Tagen so ueberrumpelt haben mit der Vaskulitis, wo ich umgehend die Therapie beginnen musste wissen die jetzt anscheinend nicht mehr genau was los ist meine Symptome passen nicht zum Gesichstsmrt und Ultraschsll der Lunge....Dabei habe ich nie gesagt ich haette was mit der Lunge oder so?? und schon war sie weg ausm Zimmer verschwunden...

Wenige Minuten spaeter hatte ich dann eine Psychologin im Zimmer was ich als super frech empfinde. Normalerweise wuerde ich so ein Gespraech verweigern aber ich habe mir gedacht die paar Minuten wirst du auch ueberleben.

Da konnte ich auch noch nicht ahnen was jetzt kommen wuerde. Ausser meinen Namen wusste diese Frau nichts absolut nichts ueber mich.

- Los ging es mit der Frage ob ich arbeiten wuerde, (was in meinem Zustand nichtmal Ansatzweise in Betracht kommt alle raten mir zur Erwerbsminderungsrente und die fragt mich sowas.) Noch bevor ich die Frage verdaut habe sagte sie sowas wie" ja wenn ich Sie so sehe und wie sie im Bett sitzen sehen sie gesund genug aus um zu arbeiten oder wieso geht das nicht?

Die Zweite Frage: "Mir wurde erzaehlt sie seien mehrfach verwirrt gewesen und wussten nicht, dass sie in einem Krankenhaus sind? "
Daraufhin hab ich Sie gefragt, ob sie sich im Zimmer geirrt hat und mich verwechselt. Das ganze Kam mir auch sofort wie ein Idioten Test vor oder aehnliches. Alle weiteren Fragen waren genauso anstossend z.B. ob meine Frau mich Zuhause unter Druck setzt und wir viel streiten. Ob ich mit Negativen Gedanken ins Bett gehe... etc... Unfassbar sowas hab ich noch nicht erlebt ich haette es zu gerne heimlich gefilmt...


Nachdem dann gestern 8 Tage rum sind und ich erneut meine PAVK angesprochen habe meinte die Aerztin wieder nur die kuemmern sich um die Cd mit den Bildern.

Mittlerweile war mir klar, dass die das eh nicht machen. Hab dann in der Praxis angerufen und nachgefragt, ob sich jemand gemeldet haette bezueglich meiner Unterlagen. Antwort natuerlich nein... meine Freundin bringt die wichtigen Bilder morgen vorbei nachdem ich ueber ne Woche angelogen wurde. Unglaublich. Schliesslich ist das mein Hauptgrund fuer den Aufenthalt.

Fazit nach 9 Tagen

-Meine PAVK wurde quasi ignoriert bisher

- Hautarzt habe ich keinen gesehen, werde aber hochdosiert mit Cortison behandelt. Wie soll der Hautarzt da eine vernuenftige Kontrolle oder Gewebeprobe machen, wenn das Cortison das Ergebnis verfaelscht?

- Meine Schmerzmedikation ist bisher kein Thema, wenn ich Nachts schlecht schlafe geben sie mir erstmal Schlaftabletten.
Toller Plan... natuerlich lehnte ich ab.


Neben mir liegt ein armer, netter Alter Mann der schlecht behandelt wird. Wuerde ich kein Augenzeuge sein, wuerden die ihn halb krueppieren lassen. Traurige Zustaende in Deutschen Krankenhaeusern :(


Sorry, dass es doch so viel Text wurde. Liest bestimmt niemand Zu Ende :) Bin auch muede ohne Ende jetzt :P ganz ohne Schlaftablette...


Gruss

Diego
Ingeborg
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Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Ingeborg »

Hallo Diego,
sei herzlich willkommen in unserem Forum. Ich hab Deinen Beitrag zu Ende gelesen.
Obwohl ich solche völlig, wie ich es lese, konzeptlosen Ärzte, wie Du sie bei diesem KH-Aufenthalt schilderst, nie erlebt habe, kommt mir das dennoch irgendwie bekannt vor.. Nur: Verallgemeinern kann man Ärzte *und Krankenhäuser* mit Sicherheit nicht. Hinzukommt, dass es mitunter wirklich schwierig ist, bei solch einem komplexen Krankheitsbild eine klare Diagnose zu bekommen. Es müssen auch nicht alle Puzzleteile zum selben Bild gehören. Das Vorkommen von c-Anca/PR3 z.B. ist hochspezifisch für M. Wegener, heutzutage Granulomatose mit PolyAngiitis genannt.
Warum hat man von Vaskulitis gesprochen? Welche Kriterien wurden speziell dafür angenommen? Entzündungswerte?
Dass sie Dir bei ihrer Konzeptlosigkeit eine Psychologin schicken, finde auch ich frech (liest sich für mich wie 'Projektion' = Hiinausverlegen eines eigenen seelischen Inhalts in einen anderen)--
Es ist an Dir, in diesem KH zu bleiben.
Ich hoffe, es melden sich noch andere, die Dir weiterhelfen können. Schreib am besten Deine Beschwerden nur als solche *mal zusammen *auf.
Vielleicht fällt mir ein gutes KH ein, in dem man sich um Dich kümmert.
LG Ingeborg
Nachtrag *Ergänzung*
Zuletzt geändert von Ingeborg am Mi Jul 15, 2020 2:34 pm, insgesamt 1-mal geändert.
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
bernddmc
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Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von bernddmc »

Hallo Diego,
aus eigener Erfahrung, kann ich Dir nur empfehlen, das Krankenhaus zu verlassen; denn hier wird viel Zeit
vergeudet und eine falsche Behandlung kann schlimmere Fogen haben.
Am ehesten wirst du in einer UNI-Klink an der richtigen Stelle sein.
Bei meinem grossen Rezidiv 2015 war ich noch ohne Diagnose und wurde mit Antibiotika fast 3 Wochen
behandelt. Habe diese dann abgebrochen und wurde kurz danach entlassen. Eine Woche später in die Notaufnahme
der UNI. Das war meine Rettung, mit entsprechender Behandlung und Diagnose (Wegener).
Es ist schon sehr zermürbend, wenn man in einem Krankenhaus ist und spürt, das es hier keine Lösung gibt!!!

Alles Gute !!!

LG Bernd
Ingeborg
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Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Ingeborg »

Hi Diego,
in welchem Bundeskand lebst Du?
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Hope
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Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:16 am

Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Hope »

Hallo Diego,
ein Morbus Wegener ist nicht deshalb ausgeschlossen, weil Lunge und Niere nicht beteiligt sind.

Vielmehr kann diese Erkrankung auch mal ganz untypisch, z.B. im Bauchraum beginnen. Herz- und Hautbeteiligung kommen häufiger vor.

Daher ist es gut, dass die Ärzte alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, d.h. einerseits den Wegener in Betracht ziehen, andererseits aber auch offen für andere Diagnosen sind.

Deshalb kann ich mir vorstellen, dass vllt. vor den Kulissen -aus welchen Gründen auch immer- etwas seltsam agiert wird, während hinter den Kulissen ein gutes Diagnoseprogramm abläuft.

Allerdings finde ich es sehr seltsam, dass man nicht dringlicher nach den bestehenden Aufnahmen gefragt hat.

Als Laiin würde ich darüber hinaus folgende Fragen klären wollen:
- Warum wurde keine Hautbiopsie gemacht ?

- Zwar bekommst Du z.Zt. Cortison als Tabletten oder Infusionen, sodass die Entzündungen im Körper sicherlich rückläufig sind, doch würde ich trotzdem klären, ob das Nasenspray weggelassen werden kann, um zu prüfen, ob sich in der Nase Blutgefäße entzünden. Es ist immer ideal, wenn durch eine Biopsie ein Krankheitsverdacht bestätigt werden kann; eine negative Biopsie würde allerdings die Erkrankung nicht ausschließen können.

Noch als Hinweis: Eine positive Biopsie ist nicht Voraussetzung für den Beginn einer Therapie.

Noch ein Hinweis: Bei der EGPA können auch Darm-, Nasen- Haut- und Herzprobleme auftreten, allerdings meines Wissens dann zusammen mit Lungenproblemen, und die Eosinophilen wären deutlich erhöht.

Alles Gute und pass auf Dich auf!
Hope

Nachtrag: Die Beinsymotomatik, die lt. Deinen Ärzten nicht vorliegen kann, da Du zu jung bist, erinnert mich an ThrombAnglizismus obliterans; erfreulicherweise hast Du nie geraucht, somit wird es dies eher nicht sein. Thrombosen können aber auch bei den rheumatischen Vaskulitiden auftreten, und ich würde hier drängen, dass sich die Ärzte die CD mit den Befunden ansehen.
Diego
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Registriert: Mo Jul 13, 2020 1:15 am

Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Diego »

Hallo,

und vielen Dank fuer eure Anteilnahme. Tut momentan einfach gut.

Die letzte richtige Visite war immer noch vorigen Freitag. Heute 7 Tage spaeter soll der Oberarzt angeblich rumkommen. Seit paar Tagen bekomme ich nur die Antibiotika Therapie fuer meine Blasenentzuendung die ich anscheindend habe. Merken tue ich es nicht.

Ansonsten weiss ich absolut nicht, in welche Richtung es jetzt geht. Meine Angiografie Cd ist seit Mittwoch da aber am Donnerstag wurde sie erst eingelesen heute dann ausgewertet hoffentlich.


An Ingeborg:

Du hast natuerlich absolut recht, dass es sehr schwer ist diese Krankheiten zu diagnostizieren. Dafuer habe ich Verstaendnis. Es geht aber um die Art und Weise. Selbst wenn Sie am Ende nicht sicher sind, erwarte ich einfach so etwas wie. "Wir konnten bei Ihnen Antikoerper fuer dies und das feststellen, koennen aber aktuell die Diagnose nicht 100% stellen aus welchen Gruenden auch immer und wuerden Ihnen daher empfehlen an eine Uni Klinik oder spezialisierte Klinik fuer Vaskulitis Erkrankungen zu gehen."
Verstehst du was ich meine? Je oefter ich drueber nachdenke, auf welche Art und Weise und ohne jeglichen Zusammenhang die Psychologin kam, desto mehr wurmt es mich.

Desweiteren wurde vor dem Krankenhausantritt halt Vaskulitis als Verdachtsdiagnose geaeussert von einigen Aerzten, weil die Brustschmerzen, Kraempfe in Kopf und Armen und den kaputten Bein Arterien zusammenhaengen koennten.

Im Krankenhaus war alles erstmal normal und erst als die C Anca mit Pr3 festgestellt wurden musste ich gefuehlt panisch die Cortison Therapie beginnen.
Dass die Pr 3 hochspezifisch fuer Wegener sind hab ich verstanden, aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit nun das jetzt wirklich zu haben weiss ich irgendwie trotzdem nicht. :/

Ich komme aus dem Raum Nordhessen / Niedersachsen wuerde am liebsten im Raum Dortmund oder Umgebung eine Spezialklinik aufsuchen, wenn es dann soweit ist. Gibt es da jemanden? Ansonsten ist jeder andere Ort zur Not auch okay, ist naemlich aller hoechste Zeit zu Wissen wo man steht. Die Zeit fuer verzoegerte oder Fehldiagnosen ist vorbei. Daher ist stationaer die einzige Option. Meine Hausaerztin versucht mich auch seit laengerem in einem Zentrum fuer seltene Erkrankungen unterzubringen. Bisher vergebens, die bekanntesten wie Marburg haben nichtmal geantwortet trotz zwei maligem Zusenden der Unterlagen.

Entzuendungswerte wie Crp, Leukozyten und vor allem Thrombozyten sind bei mir grundsaetzlich erhoeht. Habe ja einen Morbus Crohn mit 20 Stuhlgaengen aktuell 10-12 durch Cortison. Daher sind diese Werte bei mir immer erhoeht eigentlich und vllt dadurch nicht so aussagekraeftig?

Meine Grundbeschwerden hatte ich ja glaube die meisten erwaehnt. Am Schlimmsten sind die Bws Schmerzen - die zerstoeren mich und fuehlen sich wenns krass wird immer bedrohlich an. Durch meine minder durchbluteten Beinen faellt mir das Gehen an einigen Tagen schwer. Manchmal muss ich einfach stehen bleiben, weil ich nicht mehr gehen kann. Ist wie Kraempfe in den Beinen. Dazu die vielen Stuhlgaenge verbunden mit starken Kraempfen im Bauch.

Durch die ganzen Entzuendsprozesse im Koerper folgen halt Allgemeinsymptome wie...

- Kraftlosigkeit... keine Energie zunaechst koerperlich mittlerweile auch mental kaum kraft.

- starke Schlafstoerungen, diese aber schon seit Ewigkeiten. Nacht / Tag Rhythmus komplett verdreht und nach 12 Stunden Schlaf wache ich Beispielsweise auf putze Zaehne und kann direkt wieder schlafen gehen..mein Koerper erholt sich beim Schlafen gefuehlt kaum.

- Nase zu, vor allem Nachts dann immer Cortisonspray ( War Mittwoch frueh kurz in der Hno Abteilung des Krankenhauses. Hat mir zu einer Op geraten, wenn meine Vaskulitis ausgeschlossen wurde, weil meine Nasenscheidewand krumm ist. Dies ist jetzt aber nicht lebensnotwendig meinte sie. Ausserdem hat sie mir noch eine Cortisonsalbe ( Tuebinger Nasensalbe 25 g heisst die) gegeben, die soll ich glaube nehmen, damit meine Nase nicht so austrocknet tagsueber und mein Spray Nachts normal weiter nehmen. Sonst also kein besonderer Befund.

- Kopfschmerzen (Migraene)
- gehaeufter Pipi Drang
- meine Zaehne entzuenden sich staendig
- Reflux (Bin ein Wiederkaeuer)
- Zuletzt auch Muskelschwaeche... Vor allem wenn ich meine Arme hochbhebe oder meinen Sohn fuettern muss. (Die Muskeln haben sich aber verbessert seit der letzten Cortison Therapie im April.)

Es sind sicher noch ein paar Wehwehchen mehr aber manche auch nicht so schlimm.


Liebe Gruesse

Diego
Diego
Beiträge: 8
Registriert: Mo Jul 13, 2020 1:15 am

Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Diego »

Hallo Bernd,

So habe ich das bisher immer gemacht. Ins Krankenhaus, eine Weile da gewesen. Unzufrieden gewesen und dann selbst entlassen in der Hoffnung, dass ich es schon aushalte Zuhause oder es sich alleine regelt.
Mittlerweile weiss ich, dass es nicht so ist und deshalb versuche ich geduldig zu bleiben.

Wofuer und mit welchem Antibiotika wurdest du behandelt? Auch Penicillin?

In der Uni Klinik Goettingen lag ich damals und mir hats da auch nicht gefallen. Damals hatte ich niedrige P-Ancas und beim Zweittest keine mehr. Dann wurde mit die Hla B 27 assozierte Spondyloartritis bescheinigt.

Dieses mal habe ich C ANCAS mit Pr3 ... Mich wuerde ja interessieren, was rauskommt, wenn sie jetzt nochmal nachmessen... ?!





Hi Hope,

Hoffentlich hast Recht und im Hintergrund wird sauber gearbeitet und die Pappnasen bringen es nur nicht so rueber :p Glaube aber kaum daran...

Das mit den Biopsien verstehe ich auch nicht. Alle sagen immer das wird gemacht. War jetzt Mittwoch beim Haut Konsil. Die Aerztin war leider ca. 25 jahre ohne Berufserfahrung. Fuer den Ruecken sagte sie erstmal dass sei dies und das ( Name vergessen) dabei handele es sich um eine Juckerkrankung. Daraufhin sagte ich Ihr, dass es mich gar nicht juckt. Daraufhin sagte sie " Ach dann ist es eine Akne und ich bekomme wieder eine Creme. Die fuenfte oder Sechste jetzt. (Wirkt natuerlich sehr serioes auf so eine Art und Weise) :D

Du den trockenen, harten Stellen sagte sie nicht so viel. Und zu meiner schuppingen innenhandflaeche " koennte eine Schuppenflechte sein oder einfach ein Ekzem". Ich bat sie um eine Biopsie um Sicherheit zu haben.
Dazu sagte sie Aber die moegliche Schuppenflechte sei nicht aktiv genug daher bringt das nichts.

Genau deswegen wollte ich nicht mit der Cortison Therapie beginnen... Wollte erstmal alles ueber mich ergehen lassen. Scheisse ist das. :(


Was das Nasenspray angeht... Eigentlich bin ich nicht sehr empflindlich. Aber durch alles was ich durchgemacht habe bisher und damals die Tage, wo ich durch die Nase nichts aber auch gar nicht Atmen konnte trotz bestimmt 4-5 Nasensprays bin ich in dieser Hinsicht angeschlagen.

Mein Hno Arzt hatte mir damals, dieses extra Spezial Nasenspray zusammen mischen lassen und sagte, wenn das nicht hilft, hilft gar nichts. Und tatsaechlich hat es geholfen, das war so stark, dass es in der Nase gebrannt hat.
Seither ist dieses teure Spray Liebe und meine Lebensversicherung, nirgendswo wuerde ich auch nur eine Nacht ohne dem Spray hinfahren. Ich benutze allerdings wirklich immer nur ganz wenig.

Lange Rede kurzer Sinn, das Spray weglassen um absichtlich moegliche Entzuendungen zu provozieren kommt also nicht in Frage. Am Ende wuerden sie vielleicht noch sagen eine Biospie machen wir nicht und dann wuerde ich Amok laufen innerlich.

Muss also irgendwie wo anders eine Probe entnommen werden. Habe ansonsten nur Angst vor einem Herzkatheter, sonst haette ich diese Untersuchung bestimmt ueber mich ergehen lassen.

Wo kommen denn Biopsien noch in Frage? Darm ist mir am liebsten.


Lungenprobleme hab ich eher nicht... ich finde nur meine Atmung Schwach oder flach, weiss grad nicht wie man das nennt. Das schiebe ich aber eher auf mein Fentanyl Pflaster, welches ja Atemdepressiv wirkt. Mich wuerde auch interessieren ob hier noch jemand mit hochdosierten Opioiden behandelt wird?


Habe mir noch diese Angiitis Obliterans durchgelesen.
Vom Gefuehl her passt das aber glaube ich nicht. Habe noch nicht eine Zigarette geraucht in meinem Leben.
Dafuer zwar frueher am Wochenende mal eine Shisha mit Kumpels geteilt.

Shisha und Alkohol hab ich aber seit 3 Jahren aus Gesundheitlichen Gruenden komplett aus meinem Leben gestrichen. Soziale Kontakte leider auch immer mehr.

Desweiteren denke ich einfach, dass die Herzmuskelentzuendung der Ausloeser fuer das alles war und auch im Zusammenhang mit den Beinen steht. Schliesslich begannen meine groessten Probleme genau ab diesem schicksalhaften Tag schnell fortschreitend.




Gruss

Diego :-)
Hope
Beiträge: 842
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:16 am

Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Hope »

Hallo Diego,
nur kurz, weil es aus meiner Sicht wichtig ist!

Du schriebst im Eingangspost, Deine Ärzte hätten Dir eine Klinik, die sich mit Vaskulitis auskenne, empfohlen. Von einer solchen Klinik bin ich ausgegangen und habe mich daher an einigen Stellen Deines Berichts (z.B. fehlender Hautarzt) zunächst nur gewundert, denn manches Vorgehen, z.B. die Gabe von Cortison ohne vorherigen Besuch des Hautarztes ließe sich auch mit „Gefahr im Verzug“ erklären.

Da ich nun gar nicht weiß, wieviel Erfahrung man dort hat, frage ich mich, ob man das Cortison nur aus Panik heraus verordnet hat; dies wäre dann kontraproduktiv; gerade auch, wenn die Diagnostik (z.B. Angiographie) erst danach gelaufen wäre, es sei denn man hätte eine „Vorher-Aufnahme“ zum Vergleich.

Du siehst, vor dem Bildschirm kann ein Laiie das nicht beurteilen.

Was ich aber sagen kann, ist, dass laut L e i t l i n i e n bei Verdacht auf GPA die Klärung in einer entsprechend spezialisierten Klinik erfolgen sollte.

Wegen der Schwere einer solchen Erkrankung sollte man (dies ist nun meine eigene Meinung) auch keine Entfernung scheuen; zu den von Dir gemachten Angaben fällt mir die Uniklinik Lübeck ein. Doch Ingeborg kann Dir hier besser weiterhelfen.

Deine ambulanten Ärzte sollten sich in jedem Fall mit einer auf Vaskulitis spezialisierten Klinik in Verbindung setzen und dabei auch angeben, dass bereits Cortison gegeben wurde.

Viele Grüße
Hope

Mir fällt gerade ein, vllt. kannst Du mit Verweis auf die Leitlinien um Verlegung in eine Spezialklinik bitten.

Übrigens erinnern mich Deine Probleme mit der Nase sehr an meine Zeit vor der Diagnose, sie war damals wie zubetoniert!
Ingeborg
Beiträge: 4220
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Ingeborg »

Hallo Diego,
Vaskulitis kann ein weiter Begriff sein insofern, als nicht immer eine autoimmune Erkrankung, von der wir in diesem Forum sprechen, dahinter stecken muß. Es kann aber, wenn man hier c-Anca/PR3 mit 56 zugrunde legt, wobei wiederum nicht der Normwert genannt ist. Also unter Vorbehalt. Wenn ich von z.B. GPA ausgehe, dann aolltest Du wirklich Deine Zeit nicht in irgendeinem KH vertrödeln, Auch Unikliniken scheinen mir nicht per se besser. Dort hat man jedoch den Vorteil kurzer Wege für all die zu konsultierenden Fachgebiete. Diese Krankheit soll in Vaskulitiszentren diagnostiziert und behandelt werden. In NRW und NS sind mir solche nicht bekannt.
Hier ist an erster Stelle das Vaskulitiszentrum Süd in Kirchheim unter Teck (nahe Stuttgart) zu nennen. Weitere z.B. im Osten Deutschlands. Oder eben auch, zwar nicht als Zentrum, die Uniklinik Köln, die Du aufsuchen kannst. Es liegen nur wenig Rückmeldungen vor, doch das ist normal.
Hast Du einen wachen und engagierten HA? Das wäre in Deiner Situation gerade optimal, denk ich.

Ansonsten versuche ich noch, Deine Informationen zu sortieren und melde mich wieder, wenn mir was dazu einfällt.
Paß auf Dich auf,
Ingeborg
vergessen: die Rheumatologie der Uniklinik Lübeck, die Hope schon nannte, wäre auch eine gute Anlaufstelle.
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Ingeborg
Beiträge: 4220
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Nodosa, Wegener vs. Unfaehigkeit der Aerzte!

Beitrag von Ingeborg »

Diego, hab Dir eine PN geschickt.
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
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