Zerebrale Vaskulitis

Alles rund um das Leben mit Vaskulitis
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Juschka
Beiträge: 17
Registriert: Mi Mai 13, 2020 11:20 am

Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von Juschka »

Hallo Ihr Lieben,

erst einmal vielen Dank, dass es dieses Forum gibt :-). Bin ganz neu hier und hab mich schon ein bisschen durch das Forum gelesen. Wollte euch mal meine Geschichte erzählen:

Oktober 2019 wurde bei mir eine zerebrale Vaskulitis diagnostiziert. Ich hatte wohl jede Menge TIAs, die ich überhaupt nicht als Vorboten eines Schlaganfalls erkannt habe, bin noch fröhlich mit dem Auto 1600 km in die Bretagne gefahren (wenn ich bedenke, was alles hätte passieren können!!!, da geht das Kopfkino los :-D) und erst nach dem Urlaub ging ich auf Anraten eines Arztes ins UKE (Hamburg) und schilderte dort in der Notaufnahme meine Symptome....die haben mich gleich dabehalten und auf der Stroke Unit einquartiert. Bis dato hatte ich nur TIAs und noch keinen Schlaganfall. Wenn einem mal der Arm oder das Bein einschläft und nach ganz kurzer Zeit (ein paar Minuten) ist alles wieder normal, denkt man doch nicht an einen Schlaganfall... so ging es jedenfalls mir. Auf jeden Fall wurde ich in der Stroke Unit komplett durchgecheckt, hatte immer mal wieder ein paar Aussetzer (plötzlich verliert man die Kontrolle über seine Gliedmaßen, kein fester Boden mehr unter den Füßen etc.), auch eine Lumbalpunktion wurde vorgenommen, etliche MRTs, CTs, Kernspintomographie und plötzlich stehen da die Ärzte und staunen Dich an und eröffnen dír, dass du dir etwas ganz Seltenes ausgesucht hast: Zerebrale Vaskulits! Natürlich konnte ich damit erst einmal überhaupt nichts anfangen und schaute ratlos in die Runde :-). Da es mir aber sonst gut ging und ich auch völlig mobil war, wurde ich nach kurzer Zeit in ein Zweibettzimmer verlegt und dachte, jetzt geht's demnächst in die Reha... Pustekuchen! Meine Bettnachbarin wurde nach Hause entlassen, ich war also 1 Nacht alleine im Zimmer (ohne Monitore etc.) und da hatte ich prompt einen richtigen Schlaganfall! Wie sollte es auch anders sein, kaum ist man mal alleine im Zimmer, passiert sowas. Ich weiß nur noch, dass ich nachts zwischen Bett und Heizkörper auf dem Boden wach wurde und mich nicht bewegen konnte, außer Kopf heben... konnte auch nicht nach der Schwester klingeln, auf dem Boden gibt es ja keine Vorrichtung zum Klingeln :-o.... Irgendwann nachts hat dann mal eine Schwester reingeschaut und mich am Boden gefunden. Da war Holland in Not! (Ich sah hinterher aus!!! Grün, violett, gelb, meine Gesichtshälfte, die auf den Heizkörper geknallt ist, war echt hübsch danach, noch Wochen später :-D).Ich wollte anscheinend doch nur auf die Toilette und dann das :-D. Auf jeden Fall ging es stante pede wieder zurück auf ein Intensivzimmer mit Monitoren etc. (und Blasenkatheter :-(…). Ich kann euch sagen, für mich gibt's nichts Schlimmeres als einen Katheter... muss sowieso ständig auf die Toilette von wegen schwache Blase und so und dann kommt so ein Katheter, da hat man quasi ständig schon den Druck als ob man auf die Toilette muss, aber der Katheter wird erst gewechselt, wenn er fast voll ist... je voller desto schwerer desto mehr Druck...könnt ihr euch ja vorstellen. Nach diesem Schlaganfall konnte ich auch zuerst nicht mehr richtig sprechen, das hat mir schon Angst gemacht, ansonsten war meine linke Seite betroffen, von wegen Beweglichkeit und so.

Nach ca. 3 Wochen auf der Stroke Unit (Ärzte, Pflegerinnen waren bis auf ein oder zwei Ausnahmen hervorragend und sehr bemüht) kam ich in die Frühreha nach Wilhelmsburg. Da war ich aber echt völlig fehl am Platze... na ja, die Therapeuten hats gefreut, endlich mal jemand, mit dem man arbeiten kann :-). Die Patienten dort waren durch die Bank weg bettlägerig, konnten weder sprechen, laufen, sich selbst versorgen. Dagegen war ich ja fast ein Exot, vom Vorläufer des Rollators ging es Ratzfatz über zum Rollator und dann zum Stock. Dann wurde geübt, wieder Treppen hoch und runter, aber nach 10 Tagen konnte ich endlich in eine "normale" Reha und es ging zurück ins UKE, in den Ableger der Rehaklinik von Bad Bramstedt. Da blieb ich ganze 8 Wochen (Weihnachten ging letztes Jahr spurlos an mir vorüber :-)). Als Therapie bekam ich alle 4 Wochen stationär im UKE Cyclophosphamid als Infusion (6 mal) und jetzt muss ich mir jede Woche MTX spritzen und nehme natürlich täglich ASS100 und Clopidogrel (Blutverdünner), abends gibt's Atorvastatin.

Ich befinde mich durch das MTX in einem "Dauer"-Schunkel-Zustand. So richtig festen Boden unter den Füßen hab ich nicht, ich schwanke so durchs Leben, ist ein bisschen nervig, aber noch mehr stört die Taubheit der linken Körperhälfte. Ich stolper gern über meinen linken Fuss oder hab Schwierigkeiten, links etwas zu halten oder auch nur die linke Jackentasche zu finden, ich spür sie halt nicht :-(. Mir ist mein Fingerspitzengefühl links völlig abhanden gekommen. Aber ansonsten muss ich sagen, dass ich noch mit einem blauen Auge davongekommen bin, denn ansonsten geht es mir gut. Hätte auch schlimmer kommen können. Gott sei Dank steht mir mein Göttergatte stets zur Seite und hilft wo er kann.

So schaut es aus mit einer zerebralen Vaskulitis. Vielleicht gibt es ja hier welche unter euch, die auch dieses seltene Exemplar einer Vaskulitis haben, dann würde ich mich über einen Austausch freuen.

Das wars erst einmal von mir. Bleibt bitte alle "Corona"-frei :-).

Sonnige Grüße aus Hamburg

Anja
omega
Beiträge: 191
Registriert: So Dez 02, 2018 10:58 am

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von omega »

Meine Güte Anja, was hast du erlebt und mit welcher positiven Lebendikeit kannst du uns das berichten.
Danke dir dafür und sei herzlich begrüßt in diesem Forum.
Ich selbst habe GPA und kann gar nicht viel zu deiner Diagnose sagen. Aber es melden sich sicher noch direkt Betroffene.

Diese Schnellantwort von mir, kommt jetzt, weil ich so angetan bin, wie du das Elend, das du erlebt hast, doch schon mit so einer positiven Distanz beschreiben kannst. Ich denke, daß du wohl auch nicht so ganz negative Erfahrungen mit den Ärzten und Krankenhäusern gemacht hast. Oder?

Interessieren würde mich, wieviel MTX du nimmst, und ob du glaubst, das dein dauer Schunkelgefühl tatsäclich vom MTX kommt, oder auch mit dem Schlaganfall zu tun haben könnte?
Ich selbst nehme nur 10mg MTX und kenne diese Empfindung auch, hab es aber hier im Forum noch nicht gelesen.

Nochmal danke für deinen Bericht, und bleib uns hier im Forum erhalten.
omega
Ingeborg
Beiträge: 4220
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von Ingeborg »

Hallo Anja,
auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum. Deine positive Art hat Charme und Ausstrahlung! Sie wird auch auf Dich selbst zurückwirken und Dir das Leben erleichtern. Mich als Leserin beruhigt es auch. dass Dein Mann an Deiner Seite ist.

Zu Deiner "neuen Lebensform" kann ich aus eigener Erfahrung nichts beitragen. Es kennt sich damit unsere Simone00 aus. Ansonsten geh mal über die SuFu mit Stichworten. Und schau da auch nach buban, der leider nicht mehr im Forum
Soweit fürs Erste.
Alles Gute Dir,
Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Juschka
Beiträge: 17
Registriert: Mi Mai 13, 2020 11:20 am

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von Juschka »

Liebe Omega, liebe Ingeborg,

vielen lieben Dank für Euer Willkommen :-D. Hilft ja nichts, zu jammern, man kann es eh nicht ändern und wie gesagt, mir geht's ja gut im Vergleich zu anderen. Der "Schunkel"-Zustand hat sich erst eingestellt seit ich MTX (übrigens 15 mg als Spritze einmal die Woche) nehme. Vorher ging es gleichgewichtstechnisch immer besser … mal sehen, ´wie sich das einpendelt. In der Reha haben wir natürlich auch sehr am Gleichgewicht gearbeitet und 100 %ig war es noch nicht, aber dieses Schunkeln ist schon nervig und das ist erst seit MTX. Ja und mein Göttergatte, was soll ich sagen, es gab echt schlimme Situationen während dieser Zeit und er ist wirklich wie ein Fels in der Brandung und hat alles mitgemacht. Da lernt man seinen Partner echt nochmal von einer anderen Seite kennen. Egal was war, er hat mir echt stoisch zur Seite gestanden :-). Den hab ich mir also gut ausgesucht :-D.

Also machts gut Ihr Lieben und ich bin froh, dieses Forum hier gefunden zu haben.

Schönes Wochenende Euch,
Anja
Ingeborg
Beiträge: 4220
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von Ingeborg »

Hi Anja,
schau mal im Archiv unter ZNS Vaskulitis, wenn Du magst (unten)
LG
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Juschka
Beiträge: 17
Registriert: Mi Mai 13, 2020 11:20 am

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von Juschka »

Hallo Ingeborg,

ja, vielen Dank. Ich wird mal alles durchforsten :-).

LG
Anja
Wolke
Beiträge: 379
Registriert: Do Jun 07, 2018 5:57 pm

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von Wolke »

Hallo Anja,
mich hast du mit deiner Art auch sehr beeindruckt. Ich bin der gleichen Meinung wie du: Jammern hilft nicht weiter, man muss versuchen mit der Situation so gut wie möglich klarzukommen. Wobei hier aber auch gern gejammert werden darf, denn wir verstehen um was es geht und wie man sich mit einer Vaskulitis fühlt. 😉
Mich würde noch interessieren wie alt du bist.
Alles Gute für dich und ein großes Dankeschön an deinen Mann für seine Unterstützung.
Liebe Grüße Wolke ☁️
Juschka
Beiträge: 17
Registriert: Mi Mai 13, 2020 11:20 am

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von Juschka »

Liebe Wolke, ich hab tatsächlich meinen 59. Geburtstag auf der Stroke Unit "gefeiert" :-D. War letzten Oktober... ich werds meinem Mann ausrichten :-)
Schönes Wochenende
LG Anja
SiMONE00
Beiträge: 223
Registriert: Sa Jun 09, 2018 8:03 pm

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von SiMONE00 »

Hallo Anja.

Ich habe mir das jetzt erstmal richtig durchgelesen.
Deine Geschichte kommt mir bekannt vor. Auch ich war zuerst auf einer Stroke Unit. Auch Ausfälle hatte ich in Form von Grand mal Anfällen,Sprache weg, Polyneuropathie.
Alles findest du aber unter Simones Geschichten.
Darf ich wissen auf was sich die Diagnose jetzt stützt und welche Untersuchungen es gab.
Ja und wie geht es dir?
Wenn du magst kannst mich auch persönlich anschreiben.

Gruß
Simone00
Juschka
Beiträge: 17
Registriert: Mi Mai 13, 2020 11:20 am

Re: Zerebrale Vaskulitis

Beitrag von Juschka »

Liebe Simone,

Deine Geschichte habe ich gelesen und muss mich fragen, … bin ich denn hier richtig?... Meine Diagnose ist zwar zerebrale Vaskulitis, aber mein Weg war echt harmlos im Vergleich zu Deiner Geschichte oder die der anderen hier. Gerne können wir uns auch persönlich austauschen. Wie geht das hier?
LG
Anja
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