Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Alles rund um das Leben mit Vaskulitis
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kokid90
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Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Beitrag von kokid90 »

Hi zusammen,

Mich treibt ein diffuses und schweres Krankheitsbild samt endloser Ärzte-Odyssee zu euch ins Forum. Ich denke vielen wird es ähnlich ergangen sein. Habe mich schon einige Male hier durchgeklickt (und verwertbare Infos erhalten) bis ich mich angesichts der momentanen Lage dazu entschlossen habe selber aktiv zu werden und meinen Fall zu posten. Ziel neben der Selbsthilfe ist der Erfahrungsaustausch und die Möglichkeiten für jene nützlich zu sein, die ähnliche Verläufe haben. Wäre euch sehr dankbar, wenn ihr euch für die folgenden Zeilen die Zeit nehmen würdet (die sollte ja angesichts der Quarantäne & Osterfeiertagen ohnehin vorhanden sein :)
Kurz zum Backround: Ursprünglich komme ich aus der CFS/ME-Ecke. Bin frische 30, Angefangen hatte es damals mit 17 nach einem Infekt. War plötzlich weniger Leistungsfähig, konnte keinen Sport mehr machen ohne anschließendes Grippegefühl. Schwäche, Halsweh, Gereiztheit, Zittern usw. Das ganze war aushaltbar, da Anfangs nur an physische Belastung gekoppelt. Die Intensität nahm über die Jahre zu, erlaubte mir aber weiterhin meinen Tätigkeiten größtenteils nachzugehen, sodass ich nach ein paar erfolglos verlaufenen Arztbesuchen den Zustand akzeptierte und "laufen ließ". Typisch schleichender Verlauf eines leichten CFS eben. Schwäche, Grippegefühl, Nahrungsmittelunv. und psychisch-kognitive Defizite gehörten irgendwann zum Alltag.

2016/2017 wurde dann eine Schippe draufgelegt: Atemnot, leichte rheumatische Beschwerde, Angina Pectoris bei Belastung, Wadenschmerzen, Nachtschweiss, Herzrasen, leichte Missempfindungen, wandelnde Schmerzen. Ungeklärter Lungenrundherd mit erhöhten D-Dimeren und leicht erhöhtem CRP im Sommer 2016.
Das war mein erster Klinikumsbesuch... Damals noch nichts davon in Verbindung gebracht und noch nie was von Vaskulitis gehört. Was es war konnte mir damals keiner sagen. Verdacht lag auf Aspergillose Infiltrat, Bronchialkarzinom. Insgesamt ging es mir aber noch "gut". im Kontroll Ct 6 Wochen später war das Ding so gut wie weg.

Frühjahr 2017: Ab da begann das Eis unter den Füßen zu knacken: Ich hatte einen "Infekt" mit Fieber, ungewohnter Schwäche, Herzrasen und Herzrhytmusstörungen, Taubheiten & Kribbeln der Gliedmaßen, kurzzeitigen Lähmungserscheinungen, kribbeln am Hinterkopf, Atemnot & trockenem Husten, Leichten Halluzinationen & Denkstörungen. Ebenso Probleme Urin auszuscheiden.
Borrelienverdacht war da. Zeckenstiche hatte ich so einige in meinem Leben.

Der Infekt klang ab, Schwäche, Luftnot, Herz- und Denkprobleme blieben. Herzmuskelentzündung hatte ich keine, BB ansonsten unauffällig. Abklärung beim Borrelien-Spezi per Western Blot ergab eine lang zurückliegende "durchgemachte" Infektion. Die entsprechenden Banden für eine aktive Spätborreliose waren wohl nicht da. Zudem passten einige Symptome nicht. Ich gab mich damit zufrieden und akzeptierte die Gegebenheiten.

Mir gings seit diesem "Infekt" keinen einzgen Tag mehr gut, Immer mehr diffuse Schmerzen, Konzentrationsstörunen, Herz & Atemprobleme wechselten sich ab. Bei den Ärzten war ich nicht weitergekommen. Dazu Fremdkörpergefühl im rechten Auge & Schluckstörungen.

Schließlich haute es mich im September 2017 richtig um: Selbe Symptome nur noch stärker. War damals zum wandern (nein nicht auf dem Ballermann) auf Malle mit einem Kumpel und wir mussten abbrechen und zurück. Ich konnte nicht mehr laufen, nicht mal mehr aufrecht sitzen. Schmerzen, Fieber, Lähmungserscheinungen, Brustkorbschmerzen und Herzrasen, Benommenheit, Nierenschmerzen und wenig Urin, Zittern, Übelkeit, trockener Husten. Ich hatte das Gefühl zu verrecken.
In Deutschland bin ich kurzerhand zum Urologen und hab ihm nur den akuten Zustand mit Fokus auf die Nierenproblematik genannt (die ganze vorgeschichte hätte ihn restlos überfordert), der hat nen Nierenultraschall gemacht und daran ne angebliche Nierenbeckenentzündung festgstellt.
Verschrieb mir Ciprofloxacin. Das beförderte mich paar Tage später ins Krankenhaus. Konnte Bewegungen nicht mehr richtig koordinieren, Hatte Zuckungen am ganzen Körper, Verhärtungen & Rötungen der Muskulatur, Tremor, Herzrasen, Bluthochdruck. Krankenwagen Notaufnahme --> Nichts gefunden. Waren ratlosen.Ärzte haben Borrelien angesprochen, Hanta-Virus angesprochen. Hatte sich nicht bestätigt. Im Endeffekt wurde ich wieder auf die Straße geworfen.
Der Schub klang erst langsam im Verlauf von 1-2 Wochen ab, die Zeit verbrachte ich unter Aufsicht meines Dads.

Bis zum Jahreswechsel 17/18 quälte ich mich irgendwie über die Monate. Schaffte es kaum noch in die Uni, hatte ständig Schmerzen, Herzprobleme, Atemnot und neurologische Störungen. Verdauung machte auch nicht mehr mit. Erst da schaffte ich es das Rauchen aufzugeben und meine Ernährung auf Gesund umzustellen. Kein Zucker, Kein Weissmehl, Kein Alkohol, keine chemischen Zusätze, Wenig Fleisch und wenn dann kein Schwein, Histaminarm, alles möglichst Bio. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt selber ziemlich im chron. Borreliose & Candida Thema (Waren bei mir wegen dem CFS relevant) festgebissen und meine Genesungsversuche danach ausgerichtet. Zu der Zeit hatte ich auch mit einer sehr kundigen Borri. Spezialistin Telefonkontakt, die hatte mir zum LTT geraten, der auch positiv ausfiel, wenn auch nur leicht. Das hatte natürlich den Fokus auf die chron. Infektion vertstärkt. Eine Antibiose machte ich zu dem Zeitpunkt dennoch nicht, weil einfach zu viele Symptome, Blutwerte und Meinungen dagegen sprachen. (War im Endeffekt auch gut so.)

Dann im Feb 2018 endgültige Talfahrt:

Ich hatte über Wochen Herzrasen, Bluthochdruck, neuro/psychiatr. Störungen und einen HNO Infekt inkl. Augenentzündung. Ausfluss aus den Ohren, heftige Muntrockenheit, dazu brutale Beinschmerzen, reissende Schmerzen an versch. Körperstellen, Ausschläge an den Beinen und im Gesicht. Rote Schlieren an den Unterarmen. Ich verlor fast 15 kg Gewicht in 1,5 Monaten, hatte ständig leichtes Fieber, Übelkeit, Durchfälle, Schmerzen in den Augenhöhlen und im Kopf, Entzündete Stellen a.d. Kopfhaut, Lähmungen, Taubheiten der Gliedmaßen, Hodenschmerzen und das schlimmste mein Verstand ging vor die Hunde. Ich konnte nicht mehr richtig denken und fühlen. Mein Kurzzeitgedächtnis ließ nach und ist seitdem gestört. Ich konnte nicht mehr richtig Assoziieren, empfinden, erinnern. Man fühlte sich als wäre ein Teil des Gehirns entfernt worden. Schlafen war kaum noch möglich, nur zwischendurch in erhöhter Liegeposition, weil mir sonst gefühlt der Kopf geplatzt wäre. Als würde man die Armvene stauen nur eben am Hals. Der Teufelskreis begann, ich landete Mehrmals in den Notaufnahmen mit Bluthochdruck, Tachykardie und dem Gefühl abzunippeln, mit relativ unauffälligem Blutbild. Bis auf Bilirubin- und leichte Leukozytenerhöhungen passte das BB nicht zu der Heftigkeit der Symptome --> Der Psychostempel war geboren. Wie soll man auch jemanden ernst nehmen der im Wahn um sein Leben bettelt und irgendwas von chronischer Borreliose verzapft. Da haben gestresste Notärzte wenig Verständnis, zum einen weil es nicht ins Raster passt zum anderen weil sie einfach für sowas nicht geschult sind.

Ich hatte zuvor im Jan/Feb einen Termin beim Umweltmediziner wahrgenommen (die Wartezeit hatte über ein halbes Jahr betragen), der ebenfalls auf chronische Borreliose gepocht hatte und einige Blutuntersuchungen in Auftrag gegeben hatte. Die Ergebnisse waren erhöhte Entzündungswerte im Bereich der Zytokine (Interferon Gamma, TNF-Alpha und IL-4 waren stark erhöht), das passte laut Labor eher auf einen Virus oder eine andere "unklare Immunaktivierung". Sehr aufschlussreich... Erst wieder viel später kam er auf die Idee die Herpesviren PCR im Speichel abzunehmen, welche allerdings negativ ausfiel.

Ein Klinikumsaufenthalt mit Liquoruntersuchung und MRT ergaben nichts, wobei lediglich auf Borreliosezeichen geschaut wurde. Vaskulitis war auch da noch kein Thema.

Ich war damals sehr oft bei meiner Hausärztin gewesen, die hatte mir irgendwann in ihrer "Güte" die Psychosomatik stationär ans Herz gelegt, da Blutbilder und Untersuchungen bis dato wenig ergeben haben.

Wegen dem durchgehenden Fieber, den roten Augen und dem Gewichtsverlust, war sie dann endlich auf die Idee gekommen, eine Überweisung an die Nephrologie ambulant mit Verdacht auf Vaskulitis und Sarkoidose auszustellen. Zum Zeitpunkt des Termins hatte mein Schub gerade Pause und ich hatte in Relation zum Rest der Zeit kaum Symptome. Rausgekommen ist somit nichts. Kleinere Auffälligkeiten im Urin und kleinere Abweichungen im BB, mit erneut negativen Entzündungswerten, waren nicht genug um weiterzugraben. Gleichzeitig ergab der Nierenultraschall an diesem Tag eine auffällige Kontur in der linken Niere, der Arzt sagte was von Narbe und fragte mich ob ich denn einen Unfall gehabt hätte, ich verneinte und darauf hin sagte er nichts mehr. Monate später erfuhr ich von einem anderen Arzt, dass es sich um eine Durchblutungsstörung gehandelt haben muss...

Um meinen Dad und meine Freundin zu entlasten, die die meiste Zeit abwechselnd bei mir Zuhause waren weil ich mich schlecht selbst versorgen konnte, machte ich sogar die Psychosomatik mit. Dort lag ich 3 Wochen mit Anorexie und Adipositas Patient rum, konnte kaum an den Programmen teilnehmen, diskutierte jeden morgen mit Ärzten wieso ich es kaum aus dem Bett schaffe und kam mit genau der gleichen Diagnose "Somatisierungsstörung" raus mit der ich reingekommen war. Mein Immunstatus (hatte ich im Laufe der Monate abnehmen lassen) der deutliche Abweichungen zeigte (kaum noch vorhandene NK Zellen usw.), der Hinweis der Nierenvernarbung, die Bilder von den Petechien, die roten Augen, der Bluthochdruck, das Herzrasen, das leichte Fieber, die Schmerzen, der Gewichtsverlust interessierten sie nicht. die MRT CD wurde nicht mal angeschaut. Soviel zur "Elite"...

Ein Termin bei einer internistischen Rheumathologin, dauerte keine 10 Minuten, nachdem BB unauffällig und Gelenke nicht sichtlich geschwollen waren. "Sie haben zu viele Symptome, dass passt zu keiner bekannten Erkrankung". Verstärkt wurde ihre Überzeugung durch meine wirre Ausdrucksweise und die vergeblichen Versuche alles zeitlich zu ordnen. Sie konnte sich wohl nicht vorstellen, wie jemand mit meinen neurologischen Symptomen dann noch frei rumlaufen konnte.. Pure Ignoranz.

Das Vaskulitisthema hatte ich selber nach negativen ANCA Befunden für mich abgehakt, zumal meine Blutwerte ok waren. Ich konzentrierte mich auf chron. Infektionen, Darmsanierung, Nährstoffmängel, Entgiftung etc. Der ganze Mist der eben in Frage kommt wenn was nicht stimmt und keiner was findet.
Irgendwie verging das Jahr 2018. Ich hatte einige CFS/Borrikundige- Ärzte besucht und immer mehr vermeintliche Klarheit bekommen. Ich bekam offziell die längst überfällige Diagnose CFS/ME, ("vermutlich postviral"), unterzog mich einer Chelattherapie zur Schwermetallausleitung (Die Werte waren im Provokationstest sehr hoch) und ging phytotherapeutisch und mit Nährstoffen gegen potentielle Erreger und Baustellen im Körper vor. Es war leicht die Symptome bis 2017 zu erklären, aber dem was seit 17/18 passierte wurde das CFS mehr gerecht..

Meine Hirnfunktion erholte sich nach und nach. Ich bekam wieder "Gefühle", Meine Augenprobleme gingen nach und nach zurück, ich konnte fast normal Gespräche führen ohne den Anfang eines jeden Satzes zu vergessen, hatte kaum Schmerzen, mein Herz schlug wieder normal. Trotzdem blieben einige Symptome bestehen und manche haben sich verschlechtert. Meine Denkleistung ist nie wieder die alte geworden und schubweise bin ich auch nicht ansprechbar. Meine Beine schmerzen oft und werden immer schwächer. inklusive Kältegefühl, kribbeln, Zuckungen etc. Ich spürte, dass es trotz allen Maßnahmen wieder ganz allmählich Bergab ging. Und so kam es auch.

2019 traf ich auf einen engagierten Arzt, der sich endlich Zeit nahm und mir versicherte, dass es sich um eine Autoimmune Erkrankung, insbesondere Vaskulitis handeln müsse. Rundherd Lunge, akuter Beginn mit HNO Entzündung, Nierenprobleme, Jahrelange chronische Sinusitis etc. waren ziemlich typisch. Der Anfangsverdacht Wegener hatte sich nach mehrmaligen Antikörperabnahmen und anhand der normalen Nierenwerte nicht bestätigt. Angesichts der Neurologischen Beteiligung, des starken Gewichtsverlustet, der Herzprobleme, der Bein- und Hodenschmerzen und der Gastro-Symptome, lautete die endgültige Verdachtsdiagnose "Polyarteriitis Nodosa, Immunkomplexvaskulitis (Borrelien/CMV/EBV etc.), unklare Kollagenose". Nach einem weiteren Klinikumsaufenthalt bei dem nichts nennenswertes gemacht wurde und ich die meiste Zeit eigentlich nur rumlag, kam ich mit der Diagnose: "Unklare internistische Erkrankung, Kein Hinweis auf rheumathologisch-entzündliche Erkrankung, V.a.Somatisierungsstörung" raus. Was für eine paradoxe Scheisse... Mein Doc meinte danach zu mir: "Die haben uns verarscht...". Ich fand mich damit ab in meinem Zustand weiter vor mich hinzuvegitieren und damit keine Polyarteriitis N. zu haben. Schließlich wäre ich damit ja wrsnl schon tot.. Leider beseitigt Wegschauen und abwarten das Problem nicht:

Seit Jan/Feb 2020: Erneut Probleme mit dem Herz. Rasen mit schwachem Puls und Atemnot (vor allem im Liegen). Extreme Schwäche. Missempfindungen am Kopf. Übelkeit und dumpfe Bauchschmerzen. Nierenprobleme. Hodenschmerzen. Beinschmerzen und Kribbeln. Ich bin oft bettlägrig und fühle mich schwer krank. Zeitreise ins Jahr 2018...

Kardiologische Untersuchung ergibt wenig, nur leichte Insuffizienz (Wohl ohne therapeutische Konsequenz...), Herz CT weitestgehend unauffällig, 4 minimale Stenosen an den Gefäßen, grenzwertig vergrößerte Linke Herzkammer. Aber es steht: Kein Hinweis auf Vaskulitis. Ok, die Stenosen sind dann bei einem gerade mal 30 Jährigen "einfach da" verstehe... Gebe mich auch damit "zufrieden".

Gehe zur Neurologin. Messung der Nervenleitgeschwindigkeit --> auf beiden Beinen verlangsamt. --> Anmerkung: Hinweis auf Polyneuropathie...

Parallel dazu immer mehr durchgehend Bauchschmerzen, Übelkeit und Schwäche...

Habe einen Termin in der Rheumambulanz/Immunologie gehabt. Die meinte sie würden mich aufnehmen, aber die Station hat wegen Covid zu, daher erstmal Blutwerte dann schauen wir weiter... Die Ärztin schien sehr engagiert und ließ sich nicht von negativen Entzündungswerten abschrecken... Vielleicht ein Hoffnungsschimmer..

Problem ist, dass ich merke wie es mir wieder von Tag zu Tag schlechter geht. Am meisten Probleme/Sorgen macht mir im Moment der Bauch. Ich kann nichts mehr essen ohne danach Schmerzen zu haben, Übelkeit ist fast ganzen Tag vorhanden. Essen tue ich nur verträgliches und gesundes. Der Zusammenhang zur Polyarteriitis ist weniger lustig wenn man bedenkt, woher die Bauchschmerzen i.d. R. rühren.

Zwischendurch überlege ich ins Krankenhaus zu fahren und um eine Bildgebung des Bauches zu bitten, aber will mir die Schmach der Diskussion ersparen, zumal ich öfter als "Psycho" da war...

So ist das wenn man aus dem typischen Raster eines Vaskulitispatienten fällt. Und das obwohl ACR Kriterien und Symptomatik eine richtige Abklärung erfordern würden.

Ich kann im Moment nichts tun außer auf die Antwort vom Klinikum zu warten und zu hoffen, dass mein Körper die Krankheit noch ein wenig in Schach hält. In dieser Zeit würde ich mich gerne ein wenig mit euch austauschen über ähnliche Verläufe ohne Entzündungswerte. Theorien/Ideen eurerseits die weiterhelfen könnten. Es wäre auch schön wenn ich denjenigen von euch die Polyarteriitis Nodosa oder zumindest die Verdachtsdiagnose haben nach spezifischen Sachen fragen könnte, in etwa wie und ob bei ihnen die Beiteilung des Magen-Darm Trakts vorhanden war. In welchem Bereich letzendlich die Biopsie gemacht wurde, welcher Bildgebende Befund wegweisen war. Etc. Etc.

Und nicht staunen: DAS war die Kurzfassung. Ich habe sicherlich nicht jedes kleinste Symptom aufgelistet, geschweige denn jede Erkenntnis.Das würde den Rahmen sprengen. Die Materie ist umfangreich & komplex, daher hat es schon die Absätze gebraucht.

Um gleich mal paar Sachen vorweg zu nehmen/zu fragen: Sjögren Syndrom Ak waren einmalig (zwischen Schüben) Negativ. Lohnt sich öfteres Abnehmen im Bezug auf Trefferquote? RF steht noch aus (Wurde in der Klinik abgenommen). ANA Titer bei 1:160. Kann bei gesunden ja vorkommen, angesichts der Symptome aber wrsnl von Bedeutung?. DS-DNS neg.. BSG & CRP neg...C4 Komplement war verringert. C3 normal..

So und jetzt ihr! Frohe Ostern und viel Gesundheit für alle, kokid :)
Ingeborg
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Re: Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Beitrag von Ingeborg »

Hallo Kokid,
wenn so viele Symptome verschiedenen Fachgebieten zusammemkommen, sind Ärzte, zumal Fachärzte der Fachgebiete, oft überfordert. Da bedarf es einer Zusammenschau der Symptome, wie sie z.B. bei einer Vaskulitis oder Kollagenose vorkommen, durch Spezialisten für diese Erkrankungen. Das sind die internistischen Rheumatologen. Doch auch hier kennen sich nicht alle gut aus.

Wir hier im Forum sind alle keine Ärzte. Doch könnte, mit aller Vorsicht als Laie, Deine Vermutung auf PAN naheliegen. Ich würde Dir also empfehlen, das Vaskulitiszentrum in Kirchheim unter Teck (Nähe Stuttgart) zu kontaktieren bzw. Dich dorthin überweisen zu lassen. Dabei würde ich jedoch raten, Dich kürzer zu fassen, heißt: Symptom beschreiben und vor allem das wegzulassen, was Du Dir bei den Arztbesuchen denkst und empfindest.

Interessant wäre, ob einer der Ärzte es mal mit einem Cortisonstoß versucht hat. Sprich mal die engagierte Ärztin darauf an. Falls eime Besserung eintritt, liegt auf jeden Fall etwas Entzündliches vor. Darüber hinaus könnte eine Besserung der Symptome eintreten, was bis zur KH-Aufnahme in Kirchheim wichtig für Dich sein kann.
Alle guten Wünsche für Dich,
Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
kokid90
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Re: Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Beitrag von kokid90 »

Tach Ingeborg, danke schon mal für die Antwort & die Tipps.

Leider habe ich das schon durch. Und leider ist es auch klar und mir bekannt, dass eine richtige, interdisziplinäre Abklärung seitens wirklich engagierter Mediziner für solche Fälle nötig ist, bei einzelnen Ärzten kommt man da in der Regel nicht weit. Das mit dem kurz fassen erklärt sich von selbst, der Arzt bekommt natürlich nur chronologische Fakten und keinen Gefühlscocktail. Allerdings hilft es sich auf dieser Ebene woanders auslassen bzw. austauschen zu können, daher hielt ich den kleinen Roman an dieser Stelle für angebracht. Ist eben auch viel passiert.

Kirchheim war – trotz des guten Rufes – in meinem Fall leider ein Reinfall. Fehlende Entzündungswerte, meine Jahrelange CFS Vorgeschichte und die bunte Vielfalt an Vorbefunden haben dazu geführt, dass bis auf paar banale Ultraschalluntersuchungen und eine Blutabnahme nicht viel passiert ist. "Leider" gings mir zu dieser Zeit körperlich auch etwas besser, sodass ich keine richtigen Schmerzen hatte, was die Sache zusätzlich erschwert hat. Ich wurde mehr oder weniger an der Chefarzt Visite "vorbeigeschleust"- am Tag der Visite (zeitlich danach) reingekommen), ein Tag davor entlassen. Nie Hellmich o.ä. zu Gesicht bekommen. Mit "Kein Hinweis auf entzündlich rheumatische Erkrankung" entlassen, trotz erniedrigtem Komplement, erhöhten Leberwerten usw. Das war mehr als enttäuschend.

Mittlerweile habe ich genug wegweisende Sachen zusammen und versuche es in einer anderen Klinik. Ich hege die Hoffnung, dass es sich um eine etwas mildere, Nodosa-ähnliche Verlaufsform handelt die in Verbindung mit einer Virusinfektion, oder eben dem Sjögren gebracht werden kann. In diesem Bereich soll es wohl Verläufe geben, die eine PAN sehr ähnlich sind. Daher – zugegebenermaßen – der Wunsch nach Austausch mit anderen Nodosa Betroffenen um ein wenig abzugleichen und aufzuatmen.. Eine Biopsie ersetzt es am Ende natürlich nicht. Aber es wäre einfach z.B interessant und schön zu hören, ob es – bis auf Sternchen ihren Verlauf – entzündungsnegative, systemische Verläufe gibt. Leider gibt es dazu keine Zahlen. Man hört ständig nur von "oft" erhöhten Werten. Allerdings gerade im Bereich der Nodosa eben auch von unauffälligen Blutbildern. Natürlich macht das Angesichts der bereist bestehenden Dauer und der aktuellen Symptome Sorge...

Und die meisten hier scheinen doch mit Wegener, GPA oder RZA zu kämpfen. Auch sehr undankbare Krankheiten, aber zu meinem Verlauf nicht ganz passend.

Wünsch dir Gesunde Ostern und Liebe Grüße, Kokid
Ingeborg
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Re: Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Beitrag von Ingeborg »

kokid90 hat geschrieben: Di Apr 14, 2020 6:32 am Ist eben auch viel passiert.
Guten Morgen kokid,
oh ja, ich verstehe. Dass Du schon in Kirchheim warst, wußte ich allerdings nicht. Und ja, der Aufenthalt war dann wohl enttäuschend: Kein Anhalt...? Hmm.
Aber nur ein Vaskulitisspezialist könnte Dir aus ärztlicher Sicht helfen. wenn Du mir verrätst, in welchem Bundesland Du lebst, kann ich Dir bei der Suche evtl. behilflich sein.
Als GPA-Betroffene kann ich Dir speziell zu Deiner Vaskulitisform keine Hilfe sein, wenngleich wir Vaskulitisbetroffenen doch alle im selben Boot sitzen. Insofern glaube ich weniger, dass ein Austausch nur zwischen Gleichbetroffenen möglich wäre.
Dir alles Gute,
Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Kira
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Registriert: So Okt 27, 2019 2:55 pm

Re: Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Beitrag von Kira »

Hallo Kokid,
ich habe ähnliche Erfahrungen mit ärztlichen Untersuchungen gemacht. Nach einem Jahr ärztlicher Odyssee (sie haben nichts, essen sie mehr Gemüse) kam ich zur Diagnose in's Krankenhaus. Da wollten sie mich nach einer Woche rausschmeißen (sie haben nichts essen sie mehr Gemüse). Daraufhin fing ich an zu heulen, dass es mir aber wirklich richtig scheiße geht, hat die Oberärztin dann doch mal einen Autoimmuntest gemacht der positiv war. Ich hatte sehr ähnliche Symptome wie du, nur nicht ganz so stark. Sie haben mich dann endlich auf so eine Art Hometrainer mit Jetmaske gesetzt und einen Belastungstest gemacht. Das Ergebnis war dann: Hubala da ist ja doch was. Es waren dann auch Lungenschäden zu sehen. Nach einer Nierenbiopsie waren auch Nierenschäden beweisbar. Es wurde eine AAV MPA diagnostiziert. Mir wurde dann sofort Cortison und Rituximab verabreicht, was die Sache schon besser gemacht hat. Ca. 2 Monate nach der Behandlung fing der Husten wieder an (im Arztbrief stand: Der Husten ist weg und die Patientin ist in Remission). Ca. 6 Monate später hatte ich das Gefühl zu verblöden, wenn man Herdplatten dauernd anlässt und sonstige alltägliche Dinge vergisst wird es unheimlich. Das ist jetzt wieder besser geworden und angeblich war es psychisch. Zum selben Zeitpunkt stellte sich tägliches kribbeln und brennen in Füssen und Händen ein. Es hat nur acht Monate gedauert bis ein engagierter Neurologe nicht nur Polyneuropathie festgestellt hat, sondern auch einen sehr hohen Anti-CCP Wert (dieser Wert zeigt früher als der Rheuma Wert Rheuma an). Danach hat es nur wieder sechs Monate gedauert bis ein Rheumatologe glaubhaft fand, dass ich zusätzlich auch noch rheumatoide Arthritis habe. Da ich ja schon immunsuppremiert war, konnte ich nicht zu den 5 bis 10 % gehören die auch noch Rheuma entwickeln. Ich hatte allerdings schon ein Jahr vorher sehr deutlich gesagt, dass ich beim Gehen solche Schmerzen habe, dass ich die 200 Meter zur Bushaltestelle nicht mehr schaffe. Hatte da aber niemanden interessiert. Und nachdem ich zum dritten Pulmologen gegangen bin haben die nach 1,5 Jahren endlich festgestellt, dass ich auch noch Asthma habe. Andauerndes schlapp sein inklusive.
Ich erzähle dir nur diesen ganzen Sermon, weil du vllt ein paar Anregungen bekommst was man sonst noch versuchen kann, aber auch um dir Mut zu machen nicht aufzugeben. Wenn Ärzte etwas nicht verstehen, ist es halt psychisch. Das Einzige was hilft ist so lange zum nächsten Arzt zu gehen bis einer was findet. Du kennst dich besser als jeder andere und weißt ob du tatsächlich zu Psychosen neigst (klingt für mich nicht danach). Den wirklich praktischen Tipp den ich dir geben kann ist, lass dich auf jeden Fall stationär am besten in eine Uniklinik zur Diagnose einweisen. Ambulante Untersuchungen waren bei mir immer hoffnungslos. Wenn du Glück hast findest du einen fähigen Arzt der sich Zeit nimmt. Die Nierenschäden sind beweisbar und bestimmt nicht vom Himmel gefallen. Übrigens waren meine Entzündungswerte bei der Erstdiagnose nur leicht erhöht, obwohl meine Nieren kurz vor Exitus waren. Daher kam auch der zu hohe Blutdruck. Auf jeden Fall solltest du schon mal wenigstens 2,5 Liter Wasser und Tee trinken. Das hilft so oder so.
Hoffentlich viel Erfolg und viele Grüße
Kira
kokid90
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Re: Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Beitrag von kokid90 »

Ingeborg hat geschrieben: Di Apr 14, 2020 11:31 am
kokid90 hat geschrieben: Di Apr 14, 2020 6:32 am Ist eben auch viel passiert.
Guten Morgen kokid,
oh ja, ich verstehe. Dass Du schon in Kirchheim warst, wußte ich allerdings nicht. Und ja, der Aufenthalt war dann wohl enttäuschend: Kein Anhalt...? Hmm.
Aber nur ein Vaskulitisspezialist könnte Dir aus ärztlicher Sicht helfen. wenn Du mir verrätst, in welchem Bundesland Du lebst, kann ich Dir bei der Suche evtl. behilflich sein.
Als GPA-Betroffene kann ich Dir speziell zu Deiner Vaskulitisform keine Hilfe sein, wenngleich wir Vaskulitisbetroffenen doch alle im selben Boot sitzen. Insofern glaube ich weniger, dass ein Austausch nur zwischen Gleichbetroffenen möglich wäre.
Dir alles Gute,
Ingeborg
@Ingeborg: Da hast du absolut recht. Jeder kann jedem auf eine gewisse Art weiterhelfen :) Insofern macht das natürlich Sinn sich möglichst viel auszutauschen. Wenn jemand von mir etwas erfahren will oder ich irgendwie weiterhelfen kann, mache ich das gerne. Speziell in meinem Fall haben sich die Diagnosemöglichkeiten allerdings so stark eingegrenzt, dass mir eher spezifischere Infos weiterhelfen, aber natürlich bin ich für jeglichen Input dankbar!
kokid90
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Re: Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Beitrag von kokid90 »

Kira hat geschrieben: Di Apr 14, 2020 6:18 pm Hallo Kokid,
ich habe ähnliche Erfahrungen mit ärztlichen Untersuchungen gemacht. Nach einem Jahr ärztlicher Odyssee (sie haben nichts, essen sie mehr Gemüse) kam ich zur Diagnose in's Krankenhaus. Da wollten sie mich nach einer Woche rausschmeißen (sie haben nichts essen sie mehr Gemüse).
Du sagst es. Always trust yourself. Der eigene Körper ist der zuverlässigste Indikator dafür, ob etwas schief läuft oder nicht. Ich hatte alleine mit meinem CFS schon lange genug Einblick in die "Kompetenzen" unseres Systems bekommen, was allerdings nach Ausbruch der Vaskulitis kam ist definitiv Schreibstoff für einen Roman. Es ist als gäbe es wirklich mehrere Welten innerhab der Medizin. Ein kleiner Teil von begnadeten Ärzten die intuitiv ansetzen und wirklich helfen wollen und die Mehrheit von emotionslosen Wichtigtuern die einfach nur Stur ihre Leitlinien befolgen und alles in die Psychiatrie abschieben was sich außerhalb ihres Tunnels befindet. Und das gefährliche dabei ist, dass sie sich ihrer Sache so verdammt sicher sind und am längeren Hebel sitzen. Fehldiagnosen haben schon so manches Leben ruiniert. Was mich auch immer wieder wundert, ist dass das Wissen ja eigentlich vorhanden ist, in Medizinartikeln und Studien ist das alles publiziert und eigentlich auch Gesetz, aber es besteht eine riesige Diskrepanz zu dem "Wissen" der meisten Ärzte in der Realität. Meistens ist dann nur der Oberarzt bereit etwas tiefer zu graben. Der Rest setzt einfach nur Häkchen hinter einzelne Richtlinien...

Zu dir: Super, dass es doch noch geklappt hat! Tränen können manchmal wunder wirken. Taurig ist halt, dass es erst so eines Breakdowns bedarf bis jemand bereit ist zuzuhören... Es ist echt unvorstellbar, dass du trotz angeschlagener Organe fast wieder auf die Straße gesetzt wurdest. War dann auch nichts auffällig im Blut bei dir? Also auch die gängigen Nierenwerte (Kreatinin, GFR usw.) nicht erhöht trotz des Schadens? Oder wurde vorher gar nicht so spezifisch untersucht bzw. auch kein Verdacht auf etwas in die Richtung geäußert? Ich frage mich halt echt, wenn die Ärzte täglich mit solchen und ähnlichen Fällen zu tun haben, wie können dann solche Fehler passieren.. Fortbildung kann doch mittlerweile so effektiv übers Internet ablaufen.

Naja ich drück dir jedenfalls die Daumen, dass du von Rückfällen verschont bleibst! Immer brav dein Gemüse essen, dann passiert auch nichts ;).

Liebe Grüße kokid
Ingeborg
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Re: Austausch/Hilfe bezüglich: Polyarteriitis Nodosa/postinfektiöse Vaskulitis/Unklare Kollagenose

Beitrag von Ingeborg »

Hallo Kira und Kokid,
wenn ich den Kern Eurer Beiträge so zusammenfasse: auf viele Ärzte ohne Kompetenz getroffen... Dann kann ich nur wiederholen: es braucht für unsere seltenen Erkrankungen Vaskulitissoezialisten! Es nutzen nicht hunderte Ärzte, zumal nicht Fachärzte anderer Fachgebiete, da sie noch seltener "uns" als Patienten sehen, als die eines internistischen Rheumatogen. Doch auch da kennen sich manche nicht aus, auch nicht in einer Uniklinik. In Ambulanzen trifft man zudem oft auf Ärzte in Weiterbildung (Assisenzärzte).
Deswegen habe ich angeboten, je nach Bundesland Spezialisten nennen zu können. Für einen zeitnahen Termin kann sich der HA einsetzen.
LG Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
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