Langzeitfolgen Biologicals

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S. (Archiv)
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Langzeitfolgen Biologicals

Beitrag von S. (Archiv) »

Seit 2001 werden Patienten, die an Rheumatoider Arthritis leiden und mit Biologicals behandelt werden, in einem zentralen Register beim Deutschen Rheumaforschungszentrum (DRFZ) erfasst. Da dadurch mit rund 13.000 Patienten und deren Krankheitsverläufen genügend Daten zentral vorliegen, war auch Forschung möglich.

Für alle Vaskulitis-Patienten besonders relevant: Die Zahl der Nutzer von Rituximab innerhalb des Registers liegt bei 1312 Patienten.

Das Deutsche Register ist Teil eines europäischen Register-Netzwerkes, das heißt, für Forschung kann zusammengearbeitet werden.



Das zentrale Interesse richtete sich auf die Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie mit Biologicals im Vergleich zur Therapie mit herkömmlichen chemischen Medikamenten.



Es wurden u.a. folgende Kriterien ausgewertet:



- Krankheitsaktivität

- Schmerzen

- körperliche Funktionsfähigkeit

- Müdigkeit

- Krankenhausaufenthalte

- Arztbesuche

- Verrentung

- unerwünschte Ereignisse wie OPs und Erkrankungen



Die Patienten wurden zu Anfang der Behandlung mit Biologicals in das Register aufgenommen und für mindestens 5 Jahre beobachtet. Der Beobachtungszeitraum läuft bis zu 10 Jahren. Es handelt sich damit um eine Langzeitstudie!



Bisherige Ergebnisse zeigen, dass Biologicals sicher, wirksam und verträglich sind.



Das Infektionsrisiko:

Es liegt für TNF-Alpha-Blocker um den Faktor 1,5 höher. Allerdings ist das ein statistischer Wert. Das persönliche Risiko kann niedriger sein, wenn der Patient jünger ist, die Krankheit wenig aktiv, wenig Cortison zusätzlich eingesetzt wird und keine anderen chronischen Begleiterkrankungen oder früher verarbeitete schwere Infektionen vorhanden sind.



Das individuelle Infektionsrisiko jedes Patienten, der ein Biological erhalten soll, kann nun mit einem Risiko-Score, der aufgrund der RABBIT-Daten erarbeitet wurde, vom Arzt im Vorfeld berechnet werden!



Die Frage, ob unter Biologicals ein erhöhtes Krebsrisiko besteht, wurde an 5120 Patienten untersucht, die durchschnittlich 2 Jahre lang beobachtet wurden. Bei ihnen wurde kein erhöhtes Risiko festgestellt im Vergleich zu Patienten, die mit chemischen Medikamenten behandelt wurden.

Dies trifft auch für Patienten zu, die schon einmal Krebs gehabt hatten. Allerdings war diese Gruppe der Patienten so klein, dass hier weiter geforscht werden muss.



Das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Patienten wurde laut der Studie vor allem bestimmt durch eine erhöhte Krankheitsaktivität. Ein Unterschied zwischen Patienten, die mit Biologicals behandelt werden oder mit chemischen Medikamenten, scheint aufgrund der Daten nicht feststellbar.



Mehr Info:

1)BARMER GEK Magazin - Ausgabe 4/2014

"Wirksame Therapie gegen Rheuma: Behandlungssicherheit und Lebensqualität"

2)https://www.thieme-connect.com/DOI/DOI?10.1055/s-0034-1370252

3)http://link.springer.com/article/10.1007/s00393-013-1243-5

4)ard.bmj.com/content/early/2013/06/27/annrheumdis-2013-203341.long

5)http://arthritis-research.com/content/pdf/ar2904.pdf



Besonders interessant dürfte die folgende Studie sein:



Richter A, Strangfeld A, Herzer P, Wilden E, Bussmann A, Listing J, Zink A.

"Sustainability of rituximab therapy in different treatment strategies - results of a 3-year follow-up of the German biologics register RABBIT."

Arthritis Care Res (Hoboken). 2014 Mar 24. [Epub ahead of print]
SiMONE00 (Archiv)
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Re: Langzeitfolgen Biologicals

Beitrag von SiMONE00 (Archiv) »

Liebe S.,wie immer aktuell und informiert.

Ich hätte da mal eine Frage. Ich bekomme doch immer noch das Endoxan. Nun meint mein Neurologe das man von dem Endoxan immer mehr weg kommt und auf das Rituximab umsteigt?

Also das heisst z.B.bei mir falls der Herd nach Kontrollen wieder kommt ich dies bekommen soll.

Kannst du mir da weiterhelfen?

Danke im voraus.



Gruss
S. (Archiv)
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Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Langzeitfolgen Biologicals

Beitrag von S. (Archiv) »

Ja, was Dein Neurologe sagt, stimmt. Biologicals werden allerdings aufgrund der bestehenden, eingeschränkten Zulassungen immer noch nur in den Fällen eingesetzt, in denen 2 herkömmliche (chemische) Therapien nicht oder nicht ausreichend gewirkt haben.

Bei Vaskulitiden ist das einzige zugelassene Biological das Rituximab. Darüberhinaus gibt es noch eine Reihe anderer Biologicals, die z.B. für Patienten mit Rheumatoider Arthritis bereits zugelassen sind, aber da der "Vaskulitis-Markt" im Vergleich klein und finanziell uninteressant ist, sind sie eben für Vaskulitiden nicht zugelassen. In Ausnahmefällen kann aber ein Arzt beantragen, dass auch ein nicht-zugelassenes Biological einem Patienten gegeben, d.h. von der Krankenkasse finanziert, werden kann. Die Krankenkasse muss aber zustimmen. Wenn sie das nicht tut, bleibt nur der Gang vors Gericht.
S. (Archiv)
Beiträge: 2490
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Langzeitfolgen Biologicals

Beitrag von S. (Archiv) »

Unter dieser Adresse http://dgrh.de/2033.html gibt es noch mehr umfangreiche Info zu "Empfehlungen zum Einsatz von Rituximab bei Patienten mit rheumatoider Arthritis "
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