Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Forumsbeiträge, die vor dem 06.06.2018 erstellt wurden
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hamo (Archiv)
Beiträge: 3
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von hamo (Archiv) »

Hallo Ihr,



ich bin neu und habe noch keine eindeutige Diagnose. Der Rheumatologe hält eine frühe rheumatoide Arthritis oder eine reaktive Arthritis an wahrscheinlichsten. Bin männlich und 40 Jahre alt.



Nur kurz zu meiner Krankengeschichte:

- seit ca. 8 Jahren chronische Sinusitis - 3x operative Verkleinerung der Nasenmuscheln, trotzdem oft blutiger, trockener Schnupfen

- chronische Bindehautentzündung der Augen (die mir aber kaum Probleme bereitet)

- seit ca. 8 Jahren chronische Hautentzündungen (eitrige Pusteln), die schubweise am Oberkörper entstehen - Diagnose ist Akne

- schubweise Anämie, Schwäche, Nachtschweiß

- Hashimoto seit 12 Jahren



- seit 6 Monaten fast täglich springende Gelenkentzündungen mit teilweise unerträglichen Schmerzen (immer 1 bis max. 3 Gelenke, die immer nach spätestens 3 Tagen wieder voll funktionsfähig sind)



Diagnostik: manchmal erhöhte Entzündungswerte, Rheumafaktor negativ, CCP-AK positiv (hohe Sensitivität und Spezifität für die rheumatoide Arthritis), ANA negativ, öfter leichte Anämie, manchmal vergrößerte Milz



sonst alles normal: Leberwerte, Nierenwerte (Blut und Urin), Schilddrüsenwerte, Röntgenbilder der Hände und Füße, Sonografie Oberbauch



Therapie: Arcoxia 90 täglich, die ich aber nicht vertrage und wahrscheinlich erneut absetzen muss.

10 mg Prednisolon als Versuch - aber trotzdem starke Schmerzen und Entzündungen (alle paar Tage arbeitsunfähig)



meine Frage:



Ich habe seit 3 Tagen Schmerzen in der Nierengegend. Es ist kein starker Schmerz, eher ein dumpfer Druck. Dazu kommen Schlaflosigkeit und Nachtschweiß. Ich mache mir einfach große Sorgen - aber alle Nierenwerte im Blut und Urin waren normal. Mein nächster Termin beim Rheumatologen ist leider erst im Juli. Habe keine Probleme mit der Verdauung oder mit dem Rücken.



Wie schätzt Ihr meine Symptomatik ein - kann das auch eine Vaskulitis sein? Wie äußert es sich, wenn die Nieren angegriffen werden - muss ich mir Sorgen machen?



Danke und liebe Grüße



hamo
S. (Archiv)
Beiträge: 2490
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von S. (Archiv) »

Im Prinzip merkt man eine Nierenbeteiligung nicht an Schmerzen (wenn, dann eher kolikartig), sondern man sieht sie an den entsprechenden Urinwerten. Wenn Du einen entsprechenden Verdacht hast, Urinteststreifen von der Apotheke holen und Deinen Urin testen. Zeigt der Teststreifen einen positiven Befund - und Du hast nicht gerade davor kräftig Sport getrieben, sonst falsch positiver Befund - dann sofort einen genaueren Urin- und Bluttest beim Nephrologen machen lassen.

Andere, erste Zeichen: viel helle Urinausscheidung, wenn ungewöhnlich stark schäumend, deutet das auf eine vermehrte Eiweißausscheidung hin. Oder Roter Urin. Erhöhter Blutdruck. Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödeme).



Schmerzen in der Nierengegend kann man auch haben, wenn man sie sich einfach verkühlt hat - bei den derzeitigen, zwischen kalt und warm wechselnden Wetterverhältnissen nicht unüblich. Da hilft eine Wärmeflaschentherapie.



Nächtliches Schwitzen kann durch den Hashimoto verursacht werden, auch Schlafstörungen, letztere auch durch das Cortison.



Sind Deine ANCA-Werte jemals ermittelt worden? Eigentlich gehe ich davon aus, da Du ja bei einem Rheumatologen in Behandlung bist, und dass sie negativ sind. Positive ANCA-Werte würden in Zusammenhang mit Deiner Sinusitis Richtung ANCA-assoziierte Vaskulitis denken lassen. Ist denn bei Deinen Nasen-OPs keine Biopsie gemacht worden, bzw. entnommenes Material auf eine Vaskulitis hin untersucht worden? Eigentlich kann ich mir das fast nicht vorstellen, aber alles ist möglich...
hamo (Archiv)
Beiträge: 3
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von hamo (Archiv) »

Hallo Sedrina,



Danke für Deine Antwort.



Meine Nasen-OPs waren alle ambulant und es wurde nie eine Biopsie gemacht. Es wurde auch nie ein Abstrich gemacht - nur Allergien wurden getestet (ohne eindeutigen Befund).



Bluthochdruck habe ich auch entwickelt - aber nicht plötzlich, sondern langsam steigend über einige Jahre. Seit ca. 8 Monaten nehme ich nun einen Betablocker - damit ist der Blutdruck normal. Plötzlichen weiteren Blutdruckanstieg habe ich zum Glück nicht.



ANCA-Werte wurden bisher noch nicht bestimmt. Ich war erst 3mal beim Rheumatologen (meine Beschwerden haben sich ja erst vor 6 Monaten als rheumatisch geoutet). Leider bekomme ich nur alle 6-8 Wochen einen Termin dort. Anfang Juli bin ich dort und werde den Arzt darauf ansprechen.



Meine Nierenschmerzen haben sich nun glücklicherweise gebessert. Also brauch ich mir keine Sorgen machen, wenn der Urin-Teststreifen ohne Befund ist?



Dafür kündigt sich mein linkes Knie an - also werde ich wahrscheinlich morgen wieder nicht laufen können. Ich hasse diese Krankheit...



lg hamo
Ralf N (Archiv)
Beiträge: 435
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von Ralf N (Archiv) »

Hallo hamo,



Vieles in Deiner Beschreibung erinnert mich an meine vor-Diagnose-Phase:

- Starke Gelenkschmerzen erst rechte Schulter, dann auch links, später auch Finger und Beine/Füse.

- Nachtschweiss in unerträglichen Mengen, später auch Schüttelfrost,

- Rote Augen, Dauerschnupfen, später auch mit Blut im Sekret.

Nach der Einweisung in die Klinik wurde Eiweise im Urin festgestellt und die ganze Diagnostik durchgezogen.

Heraus kam Morbus Wegener mit Nierenbeteiligung (Lunge aber auch).

Ich wohne in Rostock und kann die Klinik Ärzte hier nur loben ob ihrer Kompetenz und Engagement...

Die Nierenbeteiligung konnte bei mir erst in der Klinik festgestellt werden, dazu wurde auch der gesammelte Urin ausgewertet, vorher war das auch in den Blutwerten nicht feststellbar.

Ich würde Dir dringend einen Termin bei einem Nephrologen anraten um Gewissheit zu bekommen. Ueberzeuge Denen Hausarzt dass er Dir einen schnellen Termin besorgt, in bestimmten Fällen ist das möglich, braucht allerdings Überzeugungskraft und Standhaftigkeit... Bringe alle Symptome an, die mit einer Niereninsuffizienz uebereinstimmen (siehe S.).

Möglicherweise sind ja auch durch die Medikamente (Kortison) die Entzuendungswerte gesenkt...

Viel Erfolg



Ralf
Ingeborg
Beiträge: 4220
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von Ingeborg »

Hallo hamo,

wenn ich mir Deine langjährigen Beschwerden ansehe, nämlich Sinusitis, blutiger Schnupfen, Bindehautentzündungen, Hautentzündugen, einschl. Schwäche und Nachtschweiß, wundert es mich, dass nicht alle Untersuchungen in Richtung systemischer Autoimmunerkrankungen mit Biopsie, z.B. auch von der Haut, gestartet wurden. Nachtschweiß ist nicht nur nächtliches Schwitzen, sondern ein Symptom.

Zwar sind die Grenzen der einzelnen Erkrankungen fließend. Doch sind die Untersuchungen u.a. auch auf c-anca Antikörper wegen möglichem Morbus Wegener auszuweiten.

Wenn die Niere beteiligt ist, hat man erstmal keine Schmerzen. Blutwerte eignen sich jedoch nicht zur Früherkennung einer Beteiligung. Da müßte ein Nephrologe ran.



Mir scheint, Du brauchst zuallererst und an diesem Punkt einen wirklich engagierten Arzt. Könnte Dich unter Beachtung Deiner Gesamtbeschwerden der Hausarzt lotsen? Vom Fachgebiet her wäre der internistischer Rheumatologe zuständig, einer, der sich mit Autoimmunerkrankungen auskennt. Aber häufig sind auch Nephrologen wegen einer Nierenbeteiligung mit der Problematik befaßt und kennen sich ebenfalls aus.

Alles Gute für Dich

Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Xanny (Archiv)
Beiträge: 113
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von Xanny (Archiv) »

Hallo hamo,

wenn die Nieren beteiligt sind hat man immer Blut im Urin,Mikroeinblutungen sowie es bei mir war.Ich bekam meine Diagnose 2013 im Juni " Morbus Wegener mit Beteiligung der Lunge und der Nieren.Bekam 6 mal Chemo,der Befall ist weg.

Mfg. Xanny
Cherry46 (Archiv)
Beiträge: 39
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von Cherry46 (Archiv) »

Hallo Hamo!



Also ich muss da mal widersprechen was die Nieren angeht.

Ich bin wegen starken Schmerzen in den Nieren zu meiner Haus Ärztin gegangen. Hatte auch das Gefühl das sie geschwollen waren und ebenfalls

Nachtschweiß.

Sie hat damals zwar nen Urintest gemacht aber die Diagnose war ein Witz.

In der Klinik haben Sie das Ganze ernster genommen zum Glück, denn das

Gewebe war teilweise schon negrotisch.

Kann schon sein das das auch von Fall zu Fall anders ist .



Liebe Grüße Cherry46
hamo (Archiv)
Beiträge: 3
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von hamo (Archiv) »

Vielen Dank für Eure Meinungen und Ratschläge.



Habe Probleme mich momentan bei den Ärzten durchzusetzen, da mein Blutbild völlig normal ist (nicht mal CRP ist erhöht trotz schmerzender Gelenke). Aber ich bleibe dran...



lg hamo
Hartmut (Archiv)
Beiträge: 1674
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Wie äußert sich eine Nierenbeteiligung?

Beitrag von Hartmut (Archiv) »

Hausarzt Überweisung zum Nephrologen der wird schon rausfinden ob mit deinen Nieren alles in Ordnung ist oder nicht.

Labor Nierenwerte kreatinin 24Std.Sammelurin GfR Urinsediment kann der Hausarzt aber auch machen.

LG. HARTMUT
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