Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Forumsbeiträge, die vor dem 06.06.2018 erstellt wurden
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Kalle88 (Archiv)
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Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Beitrag von Kalle88 (Archiv) »

Hallo,



habe seit 09.2012 eine PSH Nephritis bekam anfangs Kortison und zusätzlich wurde Aza mit eingeschlichen das ich auch bis 08.2013 genommen habe bis ich einen Schub bekam. Nun wieder Kortison Stoßtherapie 3 tage lang 500mg intravinös und wurde umgestellt auf cellcept. Nun bekomme ich seit August 2013 cellcept in der Maximal dosis mit 2 g am Tag was etwa einem Nieren Transplantierten Patienten entspricht. Nun fand ich einen ganz lustigen Text im Internet von Behandlung der Purpura-Schönlein-Henoch-Nephritis

bei Kindern und Jugendlichen

Therapieempfehlungen der Gesellschaft

für Pädiatrische Nephrologie (GPN)



mit folgendem Artikel:

Mykophenolat Mofetil (cellcept)

Zum Einsatz von MMF bei PSHN existie

ren wenige Fallberichte, eine Fallserie mit

12

Patienten und ein retrospektiver Ver

-

gleich einer Kortikosteroidtherapie mit

einer Kombinationstherapie aus Kortiko

-

steroiden und MMF, aus denen der Nach

-

weis einer generellen Wirksamkeit nicht

abgeleitet werden kann. In einer Arbeit

wurden 12

Patienten mit großer Protein

-

urie zunächst über 4

Wochen mit Kor

-

tikosteroiden behandelt, ohne dass ein

Rückgang der Proteinurie erreicht wur

-

de. Deshalb wurde 4

Wochen nach der

Erstmanifestation der PSHN zusätzlich

MMF gegeben, woraufhin sich innerhalb

von 1 bis 4

Monaten die Proteinurie bei

allen Patienten um mindestens 50% ver

-

ringerte. Der Vergleich mit 16

Patienten,

die kumulativ zwischen 200 und 300

mg/

kg CPA erhalten hatten, ergab bei den mit

MMF behandelten Patienten trotz ausge

-

prägterer histologischer Läsionen ein ver

-

gleichbar gutes und rasches Ansprechen

der Proteinurie [14]. In der größten pu

-

blizierten Studie wurde an 54 überwie

-

gend erwachsenen Patienten der Effekt

einer alleinigen Kortikosteroidtherapie

mit dem einer Kombination von Kor

-

tikosteroiden in reduzierter Dosis und

MMF verglichen. Die Remissionsrate war

in beiden Gruppen nicht signifikant ver

-

schieden [30].

Bei der IgAN des

Erwachsenenalters

ergab eine Metaanalyse von 4 kontrollier

-

ten Studien mit insgesamt 89 mit MMF

behandelten Patienten keinen signifikan

-

ten Effekt von MMF auf das Nierenüber

-

leben, die Verdopplung des Serumkreati

-

nins oder die Proteinurie [44]





Was soll ich jetzt davon halten???

Würde das Medikament gerne ausschleichen da es wirklich sehr starke Nebenwirkungen mit sich bringt wie z.b Haarausfall tumor usw.

Wie sind eure Erfahrungen beim absetzen von cellcept??



hier der link:http://www.gp-nephrologie.de/images/PSHN_Konsensuspapier_Moki2013.pdf



Lg







Kalle
Ingeborg
Beiträge: 4220
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Beitrag von Ingeborg »

Hallo Kalle,

welche Medikamente bei PSH mit Nierenbeteiligung durch Studien belegt und wirksam sind, wird "mangels Masse" an Forschung, zumal für Erwachsene, wohl recht selten sein, wie auch aus dem Artikel hervorgeht. Ich denke aber , dass es letztlich die gleichen Medies sind wie für Vaskulitiden allgemein. Auch Rituximab ist in dem Artikel (positiv) genannt, allerdings waren es nur 2 Patienten, an denen man es damit versucht hat. So muß, wie auch sonst, wahrscheinlich auch bei Dir daran gedacht werden, bei unerwünschten, schweren Nebenwirkungen das Medie zu ändern.

Wenn die Situation so ist, wie ich jetzt vermute, wird auch ein Spezialist vonnöten sein. Ich weiß ja nicht, ob Du Dich in guten Händen fühlst bzw. bist.



Meine neueste Quelle bei der Suche von Spezialambulanzen etc. ist z.Zt. die Seite von Orphanet.de. Dort kann man ´Suche nach Experten´ eingeben und die entsprechende Erkrankung. Es erscheinen dann verschiedene Ambulanzen, Kliniken etc. bundesweit. Die kann man dann nacheinander durchsuchen und sich informieren. Vielleicht ist ja jemand für Dich dabei.

Mit den besten Wünschen

Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Friedolin (Archiv)
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Re: Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Also die Maximaldosis liegt bei 3g am Tag, 2g ist eher die Minimaldosierung. Verstehe jetzt aber das Prinzip nicht. Wenn es Dir geholfen hat? Oder bist du immer noch im Rezidiv? Es gibt praktisch für alles einen "nicht-wirksamkeitsnachweis" Und umgekehrt.
Kalle88 (Archiv)
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Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Beitrag von Kalle88 (Archiv) »

Hi,



ob das CellCept bei mir geholfen hat kann ich dir leider nicht sagen, da die Symptome bereits mit dem Kortison verschwunden sind!!

Also ob mir das CellCept einen nutzen bringt weiß ich nicht!!!!

Habe diverse Nebenwirkungen davon das kann ich sagen.

Und laut der Theraphie empfehlung kann auch niemand wirklich sagen ob das CellCept etwas bringt oder ob Kortison alleine auch schon ausgereicht hätte. Seit Kortison keine Symtome mehr nur leichte spuren von Blut im Urin. Die hatte ich aber die ganze zeit schon. Wird aber immer weniger. Habe bereits vor 2 wochen die dosis um 500 mg zurückgeschraubt und siehe da nichts ist passiert!! Hat hier keiner Erfahrungen damit??



Ich weiß eine IGA Vaskulitis bei Erwachsenen ist bedeutend seltener als ein wegener aber irgendwer hier muss sich doch auskennen??



Lg



Kalle88
Friedolin (Archiv)
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Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Das nicht sofort etwas passiert wenn man das Medikament reduziert ist klar, da Cellcept eine Vor- und Nachlaufzeit hat. Ich würde es nicht reduzieren ohne Rücksprache mit dem Arzt zu halten. Da ich mich mit Deiner Erkrankung nicht wirklich auskenne kann ich da auch nichts zu sagen bezüglich der Wirksamkeit und ob es nur durch Kortison genauso gut wäre. Ich habe damals jede Woche um 250mg reduziert. Grüße
Kati (Archiv)
Beiträge: 54
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Beitrag von Kati (Archiv) »

Hallo Kalle,



nehme auch (wieder) CellCept bei GPA mit Nierenbeteiligung, allerdings nur in der Dosierung 1g/d (maximal möglich von der Verträglichkeit wären bie mir 1,5 g/d). Habe im Schub mal die Dosis verdoppelt auf 2 g/d und mich ziemlich mit Nebenwirkungen und Magenproblemen gequält. Schlussendlich wurde dann kurzfristig auf Rituximab umgeschwenkt, um wieder in Remission zu kommen. Jetzt nach 3 Monate bekomme ich wieder CellCept (wäre gerne beim Ritux. geblieben), Zieldosis lt. Arztbrief auch 2 g/d, aber da komme ich einfach nicht hin. Werde mal meinen ambulanten Termin in BB abwarten im Juni, mal sehen wie es dann weitergeht.

Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass ich durch Dosisreduktion wieder einen Schub bekommen habe (lange Jahre CellCept 1g/d, dann auf 500 mg/d runtergegangen, nach 3 - 4 Monaten ging es dann wieder los).



V.G.

Kati
Kalle88 (Archiv)
Beiträge: 119
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Beitrag von Kalle88 (Archiv) »

hi,

Die biologische Halbwertszeit beträgt ca. 16 - 18 Stunden. Wegen der ausgeprägten Schwankungen sollte die Plasma-Konzentration der wirksamen MMF-Spiegel regelmäßig überwacht werden. Die höchste Zuverlässigkeit hat dabei die Ermittlung der Gesamtexposition des Medikamentes über einen gestimmten Zeitraum (ausgedrückt als AUC = area under the curve-Wert). Innerhalb von bis zu 1 Stunde nach Gabe von Mycophenolsäure steigt die Plasmakonzentration zunächst steil an, ein zweiter Gipfel kann in geringerer Ausprägung nach ca. 15 Stunden beobachtet werden. Das Monitoring der Patienten mit der AUC-Methode spiegelt den im Patienten wirksamen Grad der Immunsuppression in der Regel deutlich besser wider als die Einstellung nach einem Einzelwert direkt vor der Gabe der nächsten Dosis Die Konzentration von MMF wird beeinflusst von: CsA, Cholestyramin, Metronidazol und einigen Antazida (vermindet die Konzentration von MMF), Acyclovir.



Heißt doch das die wirkung nach 18h nachlässt. Warum dauert es bei dir dann 3 Monate bis ein Schub kommt??

PSH und GPA sind 2 verschiedene Welten.

Wenn ich auf meinen Arzt höre, dann immer rein damit!!! Dem Arzt passiert ja nichts. Tumor usw.

Und es gibt keine aussagekräfige Studien die belegen das die behandlung mit cellcept überhaupt hilft.



Lg



Kalle
Friedolin (Archiv)
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Re: Mykophenolat Mofetil ausschleichen

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Wenn Du Dir mal die Wirkweise anschaust:



"Mycophenolat-Mofetil ist der 2-Morpholinoethylester der Mycophenolsäure (MPA) und wird im Körper in diese umgewandelt. MPA ist ein selektiver, nicht-kompetitiver und reversibler Hemmer der Inosinmonophosphat-Dehydrogenase (IMPDH), der daher die Synthese der Guanin-enthaltenen Nukleotide (Guanosin) hemmt. Da für die Proliferation von T- und B-Lymphozyten die De-novo-Synthese von Purinen unerlässlich ist, während andere Zellarten den Wiederverwertungsstoffwechsel benutzen können, wirkt MPA stärker zytostatisch auf Lymphozyten als auf andere Zellen, wodurch diese selektiv gehemmt werden." (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mycophenolat-Mofetil)



Genau wie es eine gewisse Vorlaufzeit benötigt eine entspechende "Umgebung" in Deinem Körper herzustellen, benötigt der Körper eine gewisse Nachlaufzeit um wieder in den alten Zustand zurückzukehren. Die Kette an "Reaktionen" bis wieder Körpereigene Zellen im großen Stil angriffen werden hat halt ein gewisses Zeitfenster. Das ist praktisch wie ein Stein den Du ins Wasser wirfst: Bis das Wasser wieder glatt ist dauert es eine Weile - obwohl der Stein längst weg ist.



Ich würde lieber ein geringeres Risko eines Tumors eingehen als hinterher an der Dialyse zu hängen. Wenn die 88 Deinen Jahrgang darstellt kann ich verstehen das Du besonders wenig Lust auf "Nebenwirkungen" hast. Aber die Rechnung gibts immer zum Schluss ;) Letztendlich ist es natürlich Dein Körper, aber ist es eine Kopfentscheidung oder ist es eher etwas emotionales weil Du noch jung bist und mit anderen mithalten willst?



Generell kann ich nur zum Celllcept sagen: Das Original von Roche probieren und immer die Kapseln (250er) statt den Tabletten (500er).
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