Sozialmedizinische Untersuchung

Forumsbeiträge, die vor dem 06.06.2018 erstellt wurden
Antworten
tom (Archiv)
Beiträge: 102
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von tom (Archiv) »

Hallo zusammen,



ich habe eine Frage an alle, die Erfahrung mit Gutachten im Rahmen eines Sozialgerichtsprozesses haben.

Ich hatte Klage beim Sozialgericht eingereicht, weil das Versorgungsamt mir nur einen GdB von 40% zugestanden hat. Ich habe eine GPA mit Pansinusitis, 60% Hörverlust rechtes Ohr, Polyneuropathien, Sehstörungen, Fatigue, Myalgien und Athralgien sowie periodisch auftretender blutiger Rhinitis. Die Klage erfolgte hauptsächlich, weil meines Erachtens die Begründung und die Anwendung der VersMedV nicht stimmig war. Das Gericht hat dann eine Untersuchung angeordnet, zu der ich in den nächsten Wochen hin muss.

Meine Frage an Euch: Wie läuft eine solche Untersuchung ab und was wird alles gemacht? Mir wurde eine Untersuchungsdauer von 3-4 Stunden angekündigt. Soviel Zeit hat sich noch kein Arzt genommen!





Vielen Dank im voraus für Eure Antworten.



Liebe Grüße

tom
Ingeborg
Beiträge: 4220
Registriert: Mi Jun 06, 2018 11:33 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von Ingeborg »

Hallo Tom,

aus Erfahrung lasse ich mich nicht mehr "begutachten", soweit ich es vermeiden kann; mir persönlich würde es aber auch nicht mehr viel bringen.

Zum Ablauf der Untersuchung, für die 3-4 Stunden angesetzt sind,

sagt der (noch nicht gänzlich gestorbene) Optimist in mir: gemessen am Thema und an der beteiligten Behörde hört sich das nicht nach Verhör an, sondern nach Aufgeschlossenheit und Gründlichkeit an, aber auch nach Tests,

sagt der Pessimist in mir: es wird vermutlich kein mit dem Krankheitsbild vertrauter Arzt sein + nimm am besten einen BegleiterIn als Zeugen mit,

sagt der Realist in mir: Du muß damit rechnen, auch auf ´Simulant´ und ´Übertreibung´ "abgetastet" zu werden; zur Vorbereitung google mal nach ´Verhalten beim Gutachter´

-und dann mußt/kannst Du das Ergebnis erst einmal nur abwarten.

Wünsch Dir alles Gute und viel Erfolg.

Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
Ralf N (Archiv)
Beiträge: 435
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von Ralf N (Archiv) »

Hallo Tom,

der medizinische Dienst ist nach meinen Kenntnissen mit Ärzten besetzt, die nicht unbedingt mit Universalkenntnissen über seltene Krankheiten brillieren können (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Somit solltest Du gut vorbereitet sein und meiner Meinung nach versuchen, die Kompetenz des Gutachters für Deine Krankheit nachweisen zu lassen.

Die Idee mit dem Zeugen finde ich da sehr gut, da es ja auch um einen Prozess geht.

Ansonsten sind meine Erfahrungen (aus dem privaten Umfeld) mit Gutachtern sehr zwiespältig, teilweise werden da Gutachten 400 Km entfernt vom Patienten ausgestellt ohne den jemals gesehen zu haben. Es gibt aber glücklicherweise auch anders lautende Erfahrungen.

Vielleicht kannst du ja im Vorfeld Informationen über den gewählten Gutachter bekommen und wenns gar nicht passt einen anderen wegen mangelnder Kompetenz verlangen.

Ich wünsche Dir dabei viel Erfolg.



LG



Ralf
Christine (Archiv)
Beiträge: 758
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von Christine (Archiv) »

hallo Tom-

abgesehen von dem ganzen Zirkus, der auf Dich zukommt,finde ich: 40% sind eine Frechheit!!

Drück Dir fest die Daumen!

Bitte berichte uns!

LG Christine
tom (Archiv)
Beiträge: 102
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von tom (Archiv) »

Hallo alle zusammen,



vielen Dank für Eure Nachrichten. Ich werde Euch natürlich berichten. @Ralf Der Gutachter ist nicht vom MDK sondern ein vom Gericht bestellter Sozialmediziner. Ich bekomme jetzt seit über einem Jahr Krankengeld und wurde noch nicht vom MDK begutachtet. Ich habe zwar einen Haufen Unterlagen und Befunde sowie eine Schweigepflicht-Entbindungserklärung an die Krankenkasse geschickt, aber anscheinend waren die Befunde so eindeutig, dass der MDK auf eine persönliche Begutachtung verzichtete.



liebe Grüße

tom
Christine (Archiv)
Beiträge: 758
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von Christine (Archiv) »

Hallo Tom-

warst Du schon beim Gutachter? -

bitte erzähl doch mal,

Christine
tom (Archiv)
Beiträge: 102
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von tom (Archiv) »

Hallo Christine,

ich war mittlerweile bei dem Gutachter. Dieser Arzt praktiziert nicht mehr, sondern ist ausschließlich nur noch als Gerichtsgutachter tätig. Nach eigener Aussage, wird er vom Land Niedersachsen bzw. dessen Gerichte immer für schwierige Fälle bzw. seltene Erkrankungen als Gutachter bestellt. Er hat sich viel Zeit genommen und wir haben uns ausführlich unterhalten. Der Gutachter hatte weitreichende Kenntnisse über Vaskulitiden und schon mehrfach Gutachten über Vaskulitispatienten erstellt. Ein Thema war u.A. die aggressive Therapie mit Zytostatika. Er hat mir sehr genau erklärt, ab wann eine aggressive Therapie vom Gericht anzunehmen ist. Danach falle ich nicht darunter, andererseits hat er sehr genau aufgenommen, welche Nebenwirkungen das MTX bei mir hat. Belustigt war er über einen Satz in meinem Reha-Bericht, dass ich "nach Gesundung" wieder leichte Tätigkeiten aufnehmen könne. Hier hat er sofort festgestellt, dass das so ja wohl nicht richtig ist. Die Untersuchung selbst war umfangreich und sehr genau, mit Hörtest, Sehtest, Feststellung der Hautsensibilität, etc. Ich war fünfeinhalb Stunden beim Gutachter! Zum Schluß hat er mir noch geraten, eine Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen. Welchen GdB er nun für richtig erachtet, darüber hat er sich natürlich noch nicht ausgelassen. Ich bin gespannt was da kommt.



Liebe Grüße

tom
Christine (Archiv)
Beiträge: 758
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von Christine (Archiv) »

Hallo Tom!

Na, dann wäre das ja ganz gut gelaufen!

Jetzt bin ich wirklich gespannt auf die %!

Gruß, Christine
tom (Archiv)
Beiträge: 102
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von tom (Archiv) »

Hallo zusammen,



der Bericht des Gutachters ist gekommen. Sehr ausführlich, dezidierte Beschreibung etc. Das Ergebnis: 40% GdB aber faktisch erwerbsunfähig.



Der Bericht geht über 28 Seiten. Der Arzt hat die Einschätzung ausführlich begründet und an Hand der VersMedV die einzelnen GdB für die vorhandenen Beschwerden festgelegt. Das Gutachten ist so gut, dass ich es vor dem Sozialgericht nicht anzweifeln werde, wohl aber den Punkt Teilhabe am Leben.



Der augenscheinliche Widerspruch zwischen GdB und Erwerbsunfähigkeit ist ebenfalls ausführlich begründet, die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit spielen bei der Bemessung des GdB nur eine Untergeordnete Rolle (Hat der damalige Sozialminister Blüm verzapft).



Ich bin mir noch nicht im klaren, was ich jetzt denken soll:

Schei... auf den GdB, aber hier ist in einem Gerichtsprozess die EU festgestellt worden; könnte den Rentenantrag einfacher machen.

Andererseits hatte ich schon noch vor, zu arbeiten, meine Rentenansprüche sind noch nicht so, wie ich sie mir vorstelle. Aber welcher Arbeitgeber nimmt mich denn?



Ich bin mir echt nicht im klaren, ob ich schimpfen soll, oder ob ich eine gewisse Erleichterung verspüren soll. Vielleicht muss ich mich doch mit der Rente anfreunden.



Liebe Grüße

tom
dsabine (Archiv)
Beiträge: 507
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Sozialmedizinische Untersuchung

Beitrag von dsabine (Archiv) »

Hallo Tom,



du darfst als Rentner dazu verdienen, vergiß das nicht. Ab einer bestimmten Grenze musst Du versteuern, aber je nach Höhe der Rente kann es durchaus mehr als ein 400 EUR Job sein.



Wie stehen die Aussichten für eine Teilerwerbsminderungsrente? Lass Dich beraten. Z.B. beim VDK.



Lass Dir Zeit, wenn möglich. Diese neue Lebensplanung darf man nicht hetzen.

Alles Gute.
Antworten