Und was ist mit sterben?

Forumsbeiträge, die vor dem 06.06.2018 erstellt wurden
Friedolin (Archiv)
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Was mir bei den Einwänden GEGEN die (aktive) Sterbehilfe nicht plausibel wird: Warum soll das nicht einfach jeder für sich selbst entscheiden - sondern bekommt ein "Wertesystem" aufoktroyiert? Wer sagt das es eine Seele gibt? Letztendlich gibt es da keinen empirischen Beweis für. Das Gleiche gilt für die Religion an sich. Religionsfreiheit bedeutet das man auch "Atheist" sein darf OHNE dafür angefeindet zu werden.Leider ist gerade Religon ein überaus sensibles Thema bei dem Menschen ganz schnell eingeschnappt und beleidigt sind. Da die BRD kein Gottesstaat ist, darf das bei der Gesetzgebung eigentlich keine Rolle spielen, die Betonung liegt aber auf eigentlich. Bei der Stammzellenforschung ist das ggf. eine Ethikfrage (ganz nebenbei bemerkt: Abtreiben ist komischerweise erlaubt). Sterben ist allerdings Privatangelegenheit.
Meerschwester (Archiv)
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Meerschwester (Archiv) »

Friedolin,

da stimme ich dir nicht ganz zu, weil, es eben auch eine gesellschaftliche und handfest finanzielle Dimension gibt. Ich habe selbst schon gehört wie Eltern behinderter Kinder angegriffen wurden, weil sie dem Staat auf der Tasche liegen, Das gleiche gilt für alte und chronisch kranke Menschen. Das darf nicht passieren, dass die Gesellschaft entscheidet, wann ein Leben lebensunwert ist. Deshalb ist die Frage ja so schwierig, weil das Recht des einzelnen auch schnell in eine Pflicht umschlagen kann. Ansonsten wäre ich deiner Meinung, dass das jeder selber bestimmen sollte, wenn er denn noch kann.

Liebe Grüße

Meerschwester
Friedolin (Archiv)
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Man wird höchstens in dem Grad gezwungen zu sterben, wie man gezwungen wird als homosexueller heterosexuell zu sein. Man wird sich immer mit anderen Personen auseinander setzen müssen wenn man sich in einer bestimmten Position befindet, insbesondere wenn man einer Minderheit angehört. Man kann ja auch heute schon vom Hochhaus runterhüpfen - dumm nur wenn das in die Hose geht. Im Grunde geht es ja nur um die Legalisierung einer "Freiheit" die man sowieso hat, aber dann eben unter würdigen Bedingungen oder in Situationen, in denen man sich nicht mehr selbst helfen kann.
S. (Archiv)
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von S. (Archiv) »

Also, ich sehe nicht, dass hier irgendjemand irgendjemand anderem etwas aufoktroyiert. Izar hat von sich selbst gesprochen. Und er hat versucht, an etwas zu erinnern, was in der öffentlichen Diskussion so oft in den Hintergrund gerät, nämlich die Möglichkeit, dass es einen Gott gibt, und eine Seele, und das Erlangen eines Zustandes, der über das materielle Leben und die hiesige Welt hinausgeht. Und dass es in diesem Kontext evtl. Sinn macht, jede Sekunde seines Lebens zu nutzen.



Übrigens, ganz nebenbei gesagt, ist der Atheismus, so paradox, wie es klingt, nicht der Hort der Vernunft, sondern auch nur eine Glaubensfrage: Wie will er beweisen, dass es eine Seele NICHT gibt? Wie will er beweisen, dass es einen Gott NICHT gibt? Der Atheist GLAUBT nur, dass es keine Seele gibt, er GLAUBT nur, dass es einen Gott nicht gibt. Hat der Atheist diesen, seinen Glauben jemals wirklich hinterfragt und überprüft?

Bei so Einigen beruht dieser Glaube nach meiner Beobachtung eher auf Trägheit, Desinteresse, manchmal auch einem zu schnell für wahr ansehen, was erstmal genauer betrachtet werden müsste. Selten ist er wirklich fundiert in dem Sinne, dass er tatsächlich einen Prozess der Reflektion und Konfrontation durchlaufen hat. Und selbst dann, das Dilemma bleibt: es bleibt letztlich ein Glaube.



Nun, jedem sein eigenes "Plaisierchen", jedem seine eigene Entscheidung. Allerdings würde ich es bevorzugen, wenn die Entscheidungsfindung,ob man mit Hilfe von Sterbehilfe aus dem Leben scheiden will, ähnlich wie bei einem Abtreibungswunsch, mit einer Beratung gekoppelt wäre, die noch einmal alle Möglichkeiten einer Hilfestellung, medizinischer, sozialer, philosophischer und durchaus auch religiöser Art, beinhalten sollte. Eine solche Chance des Innehaltens und Überlegens, sowie auch die Möglichkeit, jederzeit, selbst mit der Giftspritze in der Hand noch von diesem Wunsch zurückzutreten, sollte es Einem selbst und der Gesellschaft bei solch einem irreversiblen Schritt wert sein.
Hartmut (Archiv)
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Hartmut (Archiv) »

Der Atheist glaubt nicht an Gott

Der Gläubige Mensch glaubt an Gott

Keiner kann dem anderen Beweise liefern ob oder ob nicht



In Köln sagt man: "jeder Jeck is anders" und das ist Gut so.

LG. HARTMUT
Friedolin (Archiv)
Beiträge: 688
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Ich hatte es allgemein auf öffentliche Diskussion mit dem Thema bezogen. In Deutschland wird einem die aktive Sterbehilfe ja vorenthalten, teilweise mit der Argumentation eines bestimmten glaubensystems. Leider schreib ich grad vom Handy und hätte das sonst noch weiter ausgeführt: deine Argumentation ist nicht ganz nachvollziehbar. Es ist nichts existent nur weil man das Gegenteil nicht belegen kann.Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt ja auch nicht das es sprechende nutella-gläser gibt, mit der begründung das man nicht das Gegenteil beweisen könnte. Wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen möchte, dem kann ich die (lehr)Werke von Richard Dawkins empfehlen.

Hier gings jetzt im Grunde aber darum dass solche religiöse Überlegungen in Deutschland nichts in einem Gesetzesentwurf verloren haben.
Wattwurm (Archiv)
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Wattwurm (Archiv) »

alles Ansichtsache nur weil man bestimmte Dinge in Ihrer Dimension nicht versteht, heisst das noch lange nicht dass es sie nicht gibt, meine Meinung





Gibt es ein Leben nach der Geburt?





Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter.



"Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" fragt der eine Zwilling.



"Ja auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draußen kommen wird." antwortet der andere Zwilling.



"Ich glaube, das ist Blödsinn!" sagt der erste. "Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitteschön aussehen?"



"So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?"



"So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz."



"Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders."



"Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von ‘nach der Geburt’. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum."



"Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen."



"Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"



"Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!"



"Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."



"Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt…."



nach Henry Nouwen,

eingesandt von einer Zeit zu leben-Leserin,

leicht geändert



gruss wattwurm



PS gibt es etwa ein Leben nach der Ebbe ?
EvaK. (Archiv)
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von EvaK. (Archiv) »

Hallo ihr Lieben!Ich glaube es ist ganz einfach !Kein Mensch darf leider wenn es keine Hoffnung mehr gibt!Meine Muter ist vor 11 Jahren mit 64 Jahre gestorben:Sie hatte den Kampf mit dem Krebs verloren,es hatt 13 Jahre gedauert,sehr schwer für sie,für mein Papa und für uns- 2 Töchter!Ich habe gesehen wie sie von Schmerz weinte!ich weiß selber wie auch die mehrheit von uns was ein längere starke Schmerz bedeuten wenn die trännen über den Gesicht laufen und man von den schmerz Zittert!bei mir dauert es schon fast 6 Jahren ich laufe von Arzt zum Arzt,von Klinik zum Klinik und bin weiter geschickt ,keine kann mir Helfen!!Die Schmerzen sind soo stark das ich trozt tillidin mich fast nicht bewegen kann und habe mich schon versprochen das ich noch das Neues Jahr ergendwie schafe aber dann gehts es nicht!Man hatt immer wenige Kraft jede soll dann Sterben wann kein Arzt schon helfen kann!Wünsche Euch alles gute! Eva
Wattwurm (Archiv)
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Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von Wattwurm (Archiv) »

Liebe eva

Ich gebe dir da vollkommen recht, wenn ein Mensch starke unerträglichen Schmerz ertragen muss, dann gestehe ich jedem Menschen zu -zu gehen, und zu entscheiden:

" ich kann nicht mehr, ich gehe "

Man weiss von schwer Brand Verletzten, Menschen mit mehrfach Traumen dass man sie ins künstliche Koma versetzten muss, ...da sie sonst an ihren schmerzen sterben würden, Menschen können sterben wenn der Schmerz zu gross ist, eine Sicherheits-Einrichtung des Körpers

Ich kann jeden verstehen der sagt

Das kann ich nicht mehr aushalten .... das ist über- menschlich...und so nicht vorgesehen ....das kann ich nicht aushalten....

!!!! DAS muss ich nicht aushalten !!! Ich gehe

Lieben gruss wattwurm
S. (Archiv)
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Re: Und was ist mit sterben?

Beitrag von S. (Archiv) »

Eva, was Du erzählst, ist sehr traurig und erschütternd. Es bestärkt mich in meiner Ansicht, dass die Schmerztherapie in Deutschland nicht in ausreichendem Maße und nicht ausreichend gut für die Patienten gehandhabt wird. Im europäischen Ausland wird das teilweise viel besser gemacht. Ein Verwandter von mir, Arzt, hat deshalb seinen unheilbar krebskranken Vater zu sich nach Hause geholt und ihn dort behandelt, weil die Schmerzbehandlung am Wohnort des Vaters viel zu schlecht war und er nur gelitten hat. Sein Sohn hat es dann besser gemacht...

Aus Angst vor Drogenabhängigkeiten und Drogenhandel setzt die Politik viel zu enge Grenzen, so mancher Arzt überlegt sich lieber dreimal, was er verschreibt, und ob er dafür ins Gefängnis kommen oder seine Approbation verlieren kann.

Menschen wie Du und Deine Mutter kommen dabei unter die Räder.

Eva, wirst Du eigentlich von einem Palliativ-Mediziner betreut?
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