Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Forumsbeiträge, die vor dem 06.06.2018 erstellt wurden
Pwolf2 (Archiv)
Beiträge: 10
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von Pwolf2 (Archiv) »

Meine Eltern sind 2009 und 2013 gestorben aber meine Oma lebt noch (wird bald 95!). Bis letztes Jahr hat sie in ihrer Wohnung gelebt, hat ein Pflegedienst gehabt, Hilfe mit duschen, Putzen, etc. und auch jemand, der nachmittags mit ihr eine Runde gelaufen ist. Aber wir (mein Bruder und ich) wussten, dass es irgendwann nicht mehr so gut klappen würde und so war es auch. Sie hat einen Hexenschuss bekommen, in ihrem Alter ganz schlimm, hat sich fast 8 Wochen nicht bewegen können. Leider wohnt mein Bruder 1000km von ihr entfern und ich 2000km... Es war alles sehr schwer, wir müssten sie so gut wie zwingen in einen Altersheim zu bleiben, meine Oma wollte alleine in der Wohnung bleiben obwohl sie sich garnichts mehr um sich selbst kümmern konnte. Auf einmal war sie auch geistig nicht mehr fit. Die Ärzte haben uns gesagt, ganz klar, dass sie 24 std Hilfe braucht.

Jetzt, ein Jahr später, ist sie glïcklich in dem Heim, es ist eigentlich sehr nett dort, klein und Familiär und meine Oma kann wieder laufen und jetzt ist sie nicht alleine und kann den ganzen Tag plaudern, was sie liebt. Klar ist es nicht wie zuhause sein. Sie will nicht azeptieren, dass sie dort "für immer" bleiben wird, sie redet immer wieder von nachhause gehen.

Von meiner Erkrankung erzähle ich ihr garnichts, ich sag immer dass es mir gut geht. Sie hat Kummer genug mit dem Tod ihrer Tochter.
usino (Archiv)
Beiträge: 198
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von usino (Archiv) »

Hallo Hartmut, du hast ja so recht! Genau das haben sie mir bei der psychosozialen Beratung auch gesagt und mir 2 Bücher empfohlen (Übers Nein-Sagen Lernen und übers Brave Tochter Syndrom). Aber man kann einen mündigen Menschen nicht dazu zwingen, Hilfen anzunehmen.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich eine solche räumliche Nähe, wie wir sie absolut wohlmeinend eingegangen sind, gut zu überlegen.

LG usino
Ingeborg
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Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von Ingeborg »

Hi usino,

bei Eltern ist es schwierig, nein zu sagen und sich gegen selbst unsinnige Inanspruchnahmen zu wehren, da man doch näher verbunden ist, als einem bewußt ist. Falls Du es nicht schon wußtest, haben die Bücher Dir Wissen vermittelt, das Du einüben kannst. Dein Erleben ändern sie jedoch nicht, solange die Selbstverantwortung fehlt.

Ich würde das mal so ausdrücken: wenn Eltern alt/krank sind, leisten wir gern Hilfe. Ich glaub, wir verwechseln dies oft mit dem Gefühl, Verantwortung übernehmen zu sollen. Solange Eltern noch selbst entscheiden und handeln können, haben wir die Verantwortung für sie jedoch nicht. Allerdings haben wir, wenn wir erwachsen sind, zu jeder Zeit Verantwortung für unser Handeln, in diesem Falle einschließlich der Verpflichtung uns selbst gegenüber.

Optimal wäre also Hilfe anbieten, wo sie möglich ist, aber gleichzeitig auch abwehrfähig und -bereit in Selbstverantwortung -was eine Inanspruchnahme fremder Hilfe ja nicht ausschließt.

Gruß, Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)
S. (Archiv)
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Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von S. (Archiv) »

@Usino: wahrscheinlich hast Du das schon versucht, aber dennoch mal als Idee: Deiner Mutter ein Freizeitangebot schenken, dass sie raus aus der Wohnung in Gesellschaft bringt - und Dir ein wenig eigene Freizeit?
S. (Archiv)
Beiträge: 2490
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von S. (Archiv) »

@Dana: Danke für den Tipp!



@alle: Seid Ihr in Eurer Familie die Einzigen, die sich um die Eltern kümmern? PWolf stimmt sich ja mit ihrem Bruder ab, wie sie erzählt. Aber kann man auch weiter entfernte Familienmitglieder in die Betreuung mit einbeziehen, z.B. Neffen und Nichten,Onkels und Tanten? Und wenn ja, in welcher Form? Funktioniert das oder überhaupt die Zusammenarbeit innerhalb der Familie in so einem Fall? Oder gibt das viel Streit?
Ralf N (Archiv)
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Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von Ralf N (Archiv) »

Sag mal S., wie schaffst Du es immer soo brennende Themen anzubringen?

Man könnte denken, Du kannst unser aller Gedanken lesen...

;)

Meine Eltern wohnen zwar nur 75 Km entfernt, aber die Strecke ist für mich momentan nur mit hohem Risiko machbar wegen magerer Konzentrationsfähigkeit.

Mein Vater hat jetzt Pflegestufe 1 bekommen auch wegen beginnender Demenz (ist gerade 88 geworden).

Meine Mutter ist vor anderthalb Wochen gestürzt und hat sich das Becken gebrochen...

Die Betreuung hat fürs Erste meine Älteste Tochter übernommen. Ist selbst krank - Haschimoto, Diabetes und Borderline...

Unglaublich wie Sie DAS meistern konnte.

Dazu kommt, meine Mutter ist sehr herrisch und halsstarrig, diktiert aus dem Krankenbett, was zu geschehen hat.

Meine Frau macht täglich 'Telefonseelsorge' zur Unterstützung.

Gestern sind die Eltern zur Reha, meine Tochter in die Tahesklinik...

Was passiert wenn sie wiederkommen, weiss ich noch nicht, hoffe dass uns der Pflegestützpunkt helfen kann und meine Mutter das eine Mal auch einsichtig ist...

LG

Ralf
SiMONE00 (Archiv)
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Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von SiMONE00 (Archiv) »

Hallo eine sooo gute Frage.

Betrifft sie mich dennoch indirekt.

Meine Mutter hat Lungen-Ca. (hier schon bekannt). Zu ihr habe ich keinen Kontakt. Aber es beschäftigt mich trotzdem.



Heute ist der Vater von meinem Mann ins Krkhs. gekommen. Diagnose auch nicht so gut.



Alles nicht so einfach. Mein Mann ist Einzelkind, im Schichtdienst, ich arbeite auch, 2 Kinder. Schub gerade hinter mir.

Keine Ahnung woher man immer die Kraft hernimmt. Aber meistens "kracht" es dann in den Ruhephasen.



LG
Friedolin (Archiv)
Beiträge: 688
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Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von Friedolin (Archiv) »

Ggf. bietet sich auch eine Versorgung im Ausland an, mit extrem hohem Personalschlüssel und einer Menschenwürdigen Pflege zu bezahlbaren Konditionen.



http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/demenz-zentrum-in-thailand-vergessen-im-paradies-a-773044.html
Claudine62 (Archiv)
Beiträge: 525
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Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von Claudine62 (Archiv) »

Ein Thema,was mich auch beschäftigt!Meine Mama,gerade 80 geworden,liegt schon wieder im Krankenhaus!Sie ist dement,hat Morbus Sudeck und offene Beine.Sie geht ,wie eine Schnecke und macht mich fertig,weil sie den ganzen Tag jammert.Mittlerweile bekommt sie Morphium und dürfte eigentlich nichts mehr merken,sagen die Ärzte!Aber sie jammert und jammert.Vernünftige Gespräche sind nicht möglich,sie erzählt mir nur,wie schlecht es ihr geht und das sie friert.

Mir selber geht es auch nicht gerade gut,aber ich muss dadurch.Freitag wird Mama wahrscheinlich entlassen!Dann schellt sie am laufendem Band Sturm.

Einen schönen Abend euch Allen

LG Claudine
leni (Archiv)
Beiträge: 50
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Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von leni (Archiv) »

Ich habe in den letzten zwei Jahren meine demente Großmutter betreut und gepflegt. Zum Glück waren auch einige andere Familienmitglieder engagiert bei der Sache.

Ich fand es für mich besonders schwer mich aufgrund der eigenen Krankheit zurückzunehmen und klar zu machen, wo die eigenen Grenzen liegen.

Wir haben dann mit der Zeit einen ambulanten Pflegedienst mit ins Boot geholt, sodass uns das Ganze nicht über den Kopf gewachsen ist.

Viele ambulante Dienste bieten ja auch eine Beratung dazu an wie man eine Zusammenarbeit gestalten könnte. Die Leistungen sind ja dann durch die Pflegestufe (Teil-)finanzierbar.



Mir persönlich hat vor allem Humor geholfen. -Und viel, viel Geduld;). Allerdings hatte auch meine Großmutter mit ihre Umfeld, das ständig von ihr Dinge, die sie nicht mehr so ganz nachvollziehen konnte, verlangt Geduld;)...
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