Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Forumsbeiträge, die vor dem 06.06.2018 erstellt wurden
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Jule (Archiv)
Beiträge: 75
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von Jule (Archiv) »

Hallo zusammen,

meine Eltern: Mutter über 90, seit 1 1/2 Jahren, nach 6 Monaten Pflege zu Hause durch mich und meine Schwester, im Pflegeheim, dement, Pflegestufe 3. Jammert nur, in klaren Momenten kommen uns gegenüber Vorwürfe und der Befehl, daß sie nach Hause möchte. Vater: über 90, meint immer noch er wäre der Herr im Hause und alle müßten auf sein Kommando hören. Die 6 Monate Pflege der Mutter hat uns beide krank gemacht. Das "schlechte" Gewissen ist nicht komplett abzustellen. Nach meiner Erkrankung fragen meine Eltern nicht. Es interessiert nicht. Meine Nierenwerte werden immer schlechter. Mein behandelnder Nephrologe hat auch schon mit mir die Art der Dialyse besprochen. Obwohl er sagt es könne aber noch ein paar Jahre dauern, bis es soweit wäre. Ich bin der Meinung das auch diese persönliche Umstände zu einer Verschlechterung beigetragen haben. Und ich arbeite noch in einer Arztpraxis (3/4 Stelle) was auch nicht gerade stressfrei ist.

Manchmal möchte ich einfach nur meine Tasche nehmen und weglaufen.

Gruß Jule

Entschuldigung das der Beitrag so lange geworden ist.
Pwolf2 (Archiv)
Beiträge: 10
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von Pwolf2 (Archiv) »

@S. zum Glück haben wir die Hilfe von unsere Tante, dir vor Ort wohnt und sie regelmässig besucht und hinundherfährt, obwohl sie Schwester von unserem Vater ist und nichts mit der Oma zu tun hat. Sie macht das uns zuliebe. Es ist so wunderbar, dass es solche Menschen gibt!
S. (Archiv)
Beiträge: 2490
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von S. (Archiv) »

@Ralf: wie ich das mache? Ganz einfach, ich höre Euch zu.



@alle:

Ich glaube, alle hier haben gemerkt, was für ein Riesenthema, Belastung und teilweise auch Leidensdruck das ist. Und ich denke, auch das ist wieder so ein Aspekt, der selbst in den Diskussionen nicht auftaucht bisher, dass nämlich betreuende oder pflegende Angehörige selbst schon krank sein können und eigentlich wesentlich mehr Unterstützungm, ganz gewiss aber nicht diese zusätzliche schwere Belastung bräuchten.

Vielleicht sollte das auch mal u.a. beim VdK thematisiert werden.



Leider habe ich auch keine allround-Lösung. Mit einer perfektionistischen Haltung kann man eine solche Betreuung/Pflege nicht angehen, sonst überfordert man sich von vorneherein. Als ich in der Situation war, gab es auch nur massgeschneiderte, oder vielmehr oftmals "gebastelte" Lösungsversuche, die alle bei Weitem nicht ideal waren. Es gab viel Anspannung, viele Auseinandersetzungen in der Familie, aber auch ein Zusammenraufen, es wurden Fehler gemacht, manches gelang dann doch ausreichend gut, anderes nicht so gut.

Und das ist wohl der Normalfall.



Vielleicht ist dieser Beitrag aber auch ein Anstoss für ein paar von Euch, Euch mit einander zu vernetzen und auf diesem speziellen Gebiet Euch auszutauschen untereinander und zu unterstützen.



Für alle, die mit dem Thema Demenz konfrontiert sind, hier noch ein paar Links:



1)Demenz-Service NRW

http://www.demenz-service-nrw.de/



2) Demenz-Seite des Bundes für Angehörige

http://www.bmg.bund.de/pflege/demenz/hilfe-fuer-angehoerige.html



2a) Netzwerke Demenz (Projekt des Bundes)

http://www.bmg.bund.de/pflege/demenz/zukunftswerkstatt-demenz/uebersicht-projekte.html



3) Pflege-Kurs für Angehörige (Bochum)

http://www.derwesten.de/staedte/bochum/angehoerige-von-demenzkranken-erhalten-hilfe-bei-der-pflege-id10215972.html



4)Demenz-Beratung Diakonie Düsseldorf

http://www.diakonie-duesseldorf.de/Hilfe-fuer-Menschen-mit-Demenz.373.0.html



Danke an Euch alle für Eure Rückmeldungen.



Eure S.
unisono (Archiv)
Beiträge: 46
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von unisono (Archiv) »

Hallo zusammen,



ich bin (noch) nicht betroffen von dieser Thematik, aber die Linkhinweise möchte ich gerne um einen erweitern:



http://www.unfallkasse-nrw.de/seminare/index_auv.jsp?type=auv

Unter dem Punkt 02 - Betriebsartenspezifische Seminare

01 - Gesundheitsdienst sind einige Seminare zu finden, die evtl. helfen können. Die Seminare sind eigentlich für die berufliche Fortbildung gedacht und die Kosten werden in der Regel von der Unfallkasse(UK) übernommen, sofern der Kursteilnehmer bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist, der hier versichert ist. Aber ggf. kann man ja bei Bedarf mal anfragen.



Viele Grüße
Meerschwester (Archiv)
Beiträge: 744
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von Meerschwester (Archiv) »

Hi,

meine Eltern sind beide schon tot (und ich bin auch froh, dass sie das mit meiner Vaskulitis nicht mehr erlebt haben, denn das hätte sie völlig überfordert). Ich hatte Glück, weil sich hauptsächlich meine Schwester um sie gekümmert hat. Mutters Sterbephase haben wir gemeinsam begleitet und waren uns über die Entscheidungen immer einig (z.B. kein Pek). Auch das Sterben unseres Vaters haben wir gemeinsam begleitet, sonst hat sich meine Schwester gekümmert und ich nur besucht.

Aber ich habe 2 Jahre eine kranke Freundin gepflegt. Typischerweise ist danach die Vaskulitis ausgebrochen. Hilfen von außen hatte ich da nicht. Bei Demenz kann man sich z.B. gut an die Alzheimer Gesellschaft wenden. Die haben gute Beratung und helfen auch, die Maßnahmen durchzuführen. Man kann sich auch erst mal in einem Alten- und Seniorenzentrum informieren. Es gibt auch sehr schöne Angebote zur Tagesbetreuung (gibt's auch bei uns im Heim). Das entlastet nämlich auch sehr.

LG Meerschwester

PS: Bin mal wieder im Krankenhaus, CRP 14, hohe Leukos, Infekt, Asthma und Wasser in der Lunge.
tapa (Archiv)
Beiträge: 360
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von tapa (Archiv) »

Hallo,

bei mir persönlich ist es so, dass meine Mutter schon sehr lange tot ist, mein Vater (75) glücklicherweise noch recht fit. Aber ich habe in der Familie und im Freundeskreis schon Pflegesituationen mitbekommen und ich habe häufig den Eindruck, dass viele Leute den alten Herrschaften viel durchgehen lassen nur weil sie alt und hilfsbedürftig sind. Mein Großvater hatte damals auch einen Starrkopf als er alt war und es tat ihm ganz gut, wenn mein Vater ihm gelegentlich die Leviten gelesen hat. Trotzdem hieß es oft, dass doch auf die Alten Rücksicht genommen werden müsste, "wer weiß, wie lange wir sie noch haben", und dann ist meine Mutter vor den Großeltern gestorben, soviel dazu.



Wenn ich hier lese, dass alte Leutchen um Mitternacht wegen Lappalien anrufen und Eure Krankheit nicht mal für voll nehmen, dann denke ich mir, dass man in dem Fall ruhig das Telefon mal über Nacht abstellen kann, denn wir brauchen nichts weniger als überflüssigen Stress!!!



Und ich denke auch, dass man mit den alten Angehörigen ruhig Tacheles reden kann, sofern sie geistig fit sind. Wenn sie geistig nicht fit sind, muss man sich eine Pflegesituation suchen, die nicht(!) überfordert. Es kann doch nicht ernsthaft erwartet werden, dass man jemanden 24 Stunden pflegt, wenn man selber nicht unerheblich krank ist.

Und man sollte auch den Mut zur Veränderung haben, vielleicht geht es eine Zeitlang gut mit der Pflege, aber sobald man merkt, dass man wirklich nur noch draufzahlt und selber vor die Hunde geht, ist eine Pflegehilfe oder letztlich auch eine Heimlösung vielleicht nicht immer zu umgehen.



Bei uns gibt es eine Seniorenberatungsstelle, die bei all solchen Fragen-teilweise auch sehr konkret- hilft.
S. (Archiv)
Beiträge: 2490
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von S. (Archiv) »

Bei Demenz funktioniert so eine direkte Konfrontation nicht so, im Gegenteil.
tapa (Archiv)
Beiträge: 360
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von tapa (Archiv) »

Hallo S.,

natürlich muss man mit einem Demenzkranken anders umgehen, die konkrete Auseinandersetzung hatte ich auch nur für den Fall gedacht, wenn die alten Leutchen geistig fit sind. Ich bekomme auch mit, dass in vielen Familien gar nicht über das Thema Pflege geredet wird bevor es nicht akut ist. Ich denke, man sollte sich rechtzeitig Gedanken machen oder auch Dinge konkret regeln.



Und mir ist auch bewusst, wie schwierig das alles sein kann. Aber es kann auch nicht sein, dass der Pflegende zum Schluss vor die Hunde geht. Und ich denke, dass man da rechtzeitig klarmachen muss, dass man persönlich auch eine Belastungsgrenze hat, ganz egal, wie gerne man auch helfen möchte. Dass sich daraus auch traurige Situationen wie z.B. der Abschied vom eigenständigen Leben ergeben, macht die Sache natürlich nicht leichter für alle Beteiligten.
kletterrose (Archiv)
Beiträge: 322
Registriert: Do Jan 01, 1970 1:00 am

Re: Alte Eltern - wie geht Ihr damit um?

Beitrag von kletterrose (Archiv) »

http://www.wege-zur-pflege.de/startseite.html
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