Diagnose hinterfragen

Alles zu Ärzten, Krankenhäusern, Reha-Orten im Zusammenhang mit Vaskulitis
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Ingeborg
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Ingeborg » Mo Mär 09, 2020 11:06 am

Guten Morgen Gerd,
je länger ich über die Stellungnahme des MDK nachdenke, umso wütender werde ich. Wenn es in die Klage geht, wird viel Kraft vonnöten sein, die die meisten nicht haben.
Deswegen komme ich auf folgende Idee:
Neben dem Widerspruch kannst Du der KK anbieten, dass der MDK bzw. sein Mitarbeiter sich die Hand persönlich anschaut. Vielleicht ändert diese Inaugenscheinnahme doe Einstellung und Bewertung des MDK. Du könntest dann nach Bewilligung der Prothese den Widerspruch zurüclnehmen. Wenn nicht, muß halt das Gericht entscheiden.
Mit besten Wünschen,
Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)

Hartmut
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Hartmut » Mo Mär 09, 2020 12:50 pm

Ich würde der Krankenkasse nichts anbieten , ich würde das durchziehen bis zur Klage .
LG. Hartmut

Marienkaeferle
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Marienkaeferle » Mo Mär 09, 2020 1:04 pm

Viel Glück aber das wird nicht einfach werden.

Sieh bitte mal hier nach da gibt es ein Urteil

sozialversicherung-kompetent.de

Grüssle Marienkaeferle

Ingeborg
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Ingeborg » Mo Mär 09, 2020 2:29 pm

Unter dem Aktenzeichen L 8 KR 171/07 sprach das Landessozialgericht Hessen ein Urteil, mit dem entschieden wurde, dass kein Anspruch auf Kostenübernahme für eine Finger-Teilprothese nach einer Finger-Teilamputation gegenüber der Gesetzlichen Krankenversicherung besteht. Das Urteil des LSG Hessen wurde am 22.07.2008 veröffentlicht. ...
Die zuständige Krankenkasse lehnte einen Antrag auf Kostenübernahme für eine Finger-Teilprothese ihres Versicherten ab, dem nach einer Fingerquetschung des rechten Zeigefingers das Endglied amputiert werden musste. ...
Hilfsmittel werden – so die Ausführungen des LSG – von der Krankenkasse nur dann übernommen, wenn diese zum Ausgleich einer Behinderung erforderlich sind. Hierbei muss die Krankenkasse lediglich für einen so genannten Basisausgleich der Behinderung im Rahmen der medizinischen Rehabilitation aufkommen....
weiter s. unter: https://sozialversicherung-kompetent.de/krankenversicherung/leistungsrecht/281-finger-teilprothese-kein-anspruch-nach-finger-teilamputation.html

Bei diesem Urteil geht es also um die Ampuation nur des Finger-Endgliedes, welche keine Behinderung ergäbe. Anders kann es durchaus bei der Amputation zweier Fingerglieder sein. Das müßtest Du im Widerspruch begründen. Evtl. ein Attest des Operateurs oder behandelnden Arzt beilegen. Laß Dich ggf. von einem Anwalt für Sozialrecht vertreten.
Toi,toi, toi!
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Hartmut
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Hartmut » Mo Mär 09, 2020 3:59 pm

Richter ist nicht gleich Richter jeder urteilt anders.

LG.HARTMUT

Gerd
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Gerd » Do Mär 12, 2020 12:11 am

Guten Tag an euch alle,
ihr seid einfach wunderbar und es tut unglaublich gut nicht alleine gelassen zu sein.

In der Beantwortung eurer Beiträge, ich machte meinen Widerspruch gegen die Krankenkasse über den VDK, unter Beilage meines Schreibens zur Begründung.
So wurde auch der Widerspruch bereits erneut abgelehnt, zur Kostenübernahme der Fingerprothese. Sie begründen dies mit ihrem MD (medizinischen Dienst) und dessen Beurteilung.

Hier nun mein Schreiben daraufhin, weil die Kasse angefragt hat ob ich dennoch meinen Widerspruch aufrecht halten möchte.

Ich schrieb wie folgt, etwas verkürzt hier.:

------------

"In Bezug zu meinem Widerspruch und Ihrer erneuten Ablehnung der Kostenübernahme, nehmen Sie mein Schreiben noch zur Kenntnis.

Meine Erkrankung begann mit dem Raynaud Syndrom im Herbst letzten Jahres. Betroffen waren die Zeigefinger und die Mittelfinger beider Hände.

In Folge der Behandlung wurde Thromboangiitis obliterans dignostiziert, es bildeten sich Nekrosen an den betroffenen Fingern innerhalb kürzester Zeit.
Im Verlauf war wie genannt der rechte Zeigefinger nicht mehr zu retten.

(Hier muss ich anmerken, dass ich als Notfall einmal abgewiesen wurde in der Gefässchirurgie Erlangen und nur nach einem Termin und 14 Tage später erst aufgenommen wurde. Das habe ich natürlich der Kasse noch nicht geschrieben.
Es war genau die Zeit und nach Erlass der neuen Gesundheitsreform, womöglich hätte man da sogar noch etwas tun können!)

Nach der Amputation von zwei Fingergliedern des rechten Zeigefingers ist es gelungen die Erkrankung der anderen Finger zu mildern. Ich habe aber immer noch am Mittelfinger der rechten Hand, also angrenzend der Finger welcher amputiert wurde, eine kleinere Nekrose. Sowie als auch am linken Zeigefinger.

Aus diesem Grund kann ich Greiffunktionen, nicht nur wegen des Verlustes meines rechten Zeigefingers nicht geeignet mit dem angrenzenden Mittelfinger kompensieren, weil dieser sich bereits in Überbeanspruchung verschlechtert.

Es ist auch so das Tätigkeiten mit der linken Hand nur ohne den linken Zeigefinger gemacht werden können. Da dieser zwar abheilt aber immer noch eine Nekrose hat. Bei jeder unachtsamen Tätigkeit habe ich grosse Schmerzen an den betroffenen Fingern.

Deshalb ist sehr wohl eine Fingerprothese angebracht, weil sie über dass kosmetische Makel weit hinaus geht und weil jede Besserung der Halte- sowie Greiffunktion und der dann auch mögliche Gegendruck des Fingers, welcher nur mit der Fingerprothese eben durch Verlängerung möglich ist, mir täglich sehr hilfreich sein würde.

Es ist also nicht wie ihr medizinischer Dienst ohne Begutachtung beurteilt hat, das nur ein Fingerglied fehlt und ich kompensieren könnte.

Diese fehlerhafte pauschalisierte und falsche Einschätzung übergeht gesetzliche Richtlinien zu Heil und Hilfsmitteln einer Krankenkasse, sie urteilt ohne nähere Begutachtung des Einzelfalles tatsächlicher und genauer Krankenhistorie......

Ich gebe Ihnen mein Versprechen, alles mir mögliche zu tun und mir jede rechtliche Möglichkeit zu nehmen, insofern weiterhin so unbedarft und oberflächlich beschämend geurteilt wird."

---------


Ich werde sehen wie es weiter geht und teile euch im Verlauf meine Erfahrungen mit.


Ich wünsche euch, jeden einzelnen von euch, alles Gute und Gesundheit und Danke euch sehr für jedes Wort und jeden Beistand.


Mit meinen herzlichen Grüssen

Gerd

Ingeborg
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Ingeborg » Do Mär 12, 2020 11:41 am

Guten Morgen Gerd,
danke für Deine Rückmeldung. Ich kann und will Dich darin nur unterstützen, Dich gegen die Entscheidung der KK mit den gegebenen Mitteln zu wehren. Es ist nach meinem Dafürhalten ohnehin ein Unding, wenn ein MDK nach Aktenlage und, wie Du schon sagst, oberflächlich sein Urteil abgibt. Viele Betroffene hätten gar nicht die Kraft, Widerspruchs- und Klageverfahren durchzuhalten.
Halte durch. Ich bin in Gedanken bei Dir.
LG Ingeborg
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Mirjam
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Mirjam » Fr Mär 20, 2020 3:20 pm

Hallo Gerd,
auch ich bin schockiert über die Entscheidung deiner Krankenkasse.
Ich wünsche dir viel Erfolg für deinen Widerspruch.
Zum MDK kann ich nur berichten, dass ich da kein großes Vertrauen habe.
Meine behandelnden Ärzte hatten mir nach dem Behandlungsmarathon meiner MPA (Studienpatientin mit hoch frequenter Therapie) dringend eine Reha empfohlen.
Diese hatte der MDK nicht für nötig gehalten. Ich sollte wieder arbeiten gehen.
Ich denke, die haben von unseren seltenen Erkrankungen einfach zu wenig Ahnung.
Die Reha wurde übrigens anstandslos von der Dt RV bewilligt.

Ich wünsche dir alles Gute und liebe Grüße
Mirjam

Gerd
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Gerd » Fr Apr 17, 2020 7:32 pm

Liebe Freunde,
liebe Forumsmitglieder,

hier mein Update zur aktuellen Situation, in Versorgung mit einer Fingerprothese.

Nachdem die Krankenkasse zweimal ablehnend beschieden hatte und ich jeweils widersprochen habe über den Sozialverband VDK, kam heute der Bescheid der Barmer Krankenkasse, eine Grundversorgung "Basic" dieser Fingerprothese zu übernehmen.

Ich gestehe euch, ich hatte Tränen in den Augen vor Freude. Es ist geradezu unglaublich wie man sich über eine Prothese noch freuen kann!

Den vollen Kostenvoranschlag der Orthophädie decken sie allerdings nicht ab, es fehlen dazu noch knapp 900 Euro. Es ist der Unterschied zwischen der farblichen Genauigkeit und der Feinarbeit in Ausführung so einer Fingerprothese. Sie sind schon sehr teuer in Deutschland diese Silikonprothesen, das ist aber eine andere Geschichte, die uns als Patienten nur am Rand tangieren sollte.

Nun, ich kann schon verstehen von der Barmer das sie kostenbewusst kalkulieren und bin schon so dankbar genug. Ich überlege noch und muss auch erst den Sozialverband kontaktieren sowie den Orthopäden, aber ein Streit über Monate und alle Instanzen gehen, nur weil die Preislage sich in Ausführung unterscheidet, ich weiss es noch nicht wie ich mich entscheide.

Im Moment freue ich mich einfach nur und muss sehen wie sich alles weiter fügt, ein Erfolg aber ist es für mich allemal.

In dieser Zeit von Corona, passt auf euch auf, bleibt gesund, oder werdet gesund, zumindest soll jede Krankheit erträglich sein und sich nur nicht verschlechtern.

Ich schreibe wieder sobald ich etwas genaues weiss und möchte auch Bilder verlinken. Bis bald und alles Gute von mir.


Mit meinen Grüssen an euch alle..

Gerd

Thorsten
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Thorsten » Fr Apr 17, 2020 7:44 pm

Hallo Gerd,

das freut mich sehr für dich, dass die Barmer nun zumindest zum Teil eingelenkt hat. Ich kann mir vorstellen, wie belastend die Ungewissheit war.
Vielleicht hat ja der Sozialverband auch noch ein paar Ideen, die dich weiterbringen.

Bleib gesund.

Viele Grüße

Thorsten

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