Diagnose hinterfragen

Alles zu Ärzten, Krankenhäusern, Reha-Orten im Zusammenhang mit Vaskulitis
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GeNeRaL
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von GeNeRaL » Sa Apr 18, 2020 10:41 am

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Ingeborg
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Ingeborg » Sa Apr 18, 2020 11:30 am

Hi Gerd,
das ist ja schonmal ein toller Erfolg und eine Erleichterung für Dich. Besprich ein weiteres Vorgehen mit dem VdK. Soweit mir bekannt ist, ist die KK zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Auf der andern Seite muß alles "gut" sein. Vermutlich gibt es nicht viel Rechtsprechung zu Fingergliederm, und eine Klage kostet zudem viel Kraft -you know.
LG Ingeborg
Man muß sich von sich selbst auch nicht alles gefallen lassen.
(Viktor Frankl, 1905-1997)

Gerd
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Gerd » Mo Mai 04, 2020 4:56 pm

Update.: Zur Versorgung mit einer Fingerprothese aus Silikon!

Liebe Mitforisten,
liebe Freunde,

ich möchte euch schreiben wie es mir im weiteren geht und was die Versorgung mit einer Fingerprothese betrifft.

Nachdem die Krankenkasse eine sogenannte "Basic" Silikonprothese bewilligt hatte, musste ich jedoch in Abhandlung bei meinem Versorger, einer Firma für Hilfsmittel und Prothesen feststellen, das eben diese Fingerprothese ein schlechter Witz ist! Sie wäre einfarbig und ohne jede kosmetische Anpassung. Das heisst, es ist nicht einmal farblich eine gute Anpassung zu erwarten und der sichtbare Makel ist schon in Entfernungen von ein paar Metern als solcher zu erkennen.

Ich habe mir daraufhin die Unterschiede genau verdeutlichen lassen, so gibt es "Basic- Natural- und Individuell", der Unterschied dabei ist jeweils der Preis, so etwa 1000 Euro Mehrkosten, zusätzlich dem Preis der Basicversion von 1.900 Euro welchen die Kasse bezahlt. So würde eine Fingerprothese mit Acryl Fingernagel und farblich angepasst an die Hand über 3.500 Euro Kosten verursachen. Das ist schon ein guter gebrauchter Mittelklassewagen!

In Folge habe ich zwei weitere Angebote von den wenigen Firmen in Deutschland eingeholt und siehe da, es ist überall der gleiche Preis? Dass aber zeigt eine Absprache die möglicherweise sogar kartellrechtlich verboten wäre!

Geht man als Patient aber davon aus, das zwischen Krankenkassen und Versorgern auch Absprachen bezüglich der Versorgung gegeben sind, muss ein Betroffener schier verzweifeln, weil er sich im Kreis bewegt mit allen seinen Bemühungen um eine gute und angepasste Versorgung, welche nicht nur die Behinderung sondern nach Möglichkeit auch den Makel an einer sichtbaren Extremität behebt. Jede kosmetische Angleichung aber wird von den Kassen nicht übernommen. Und genau hier liegt der Knackpunkt, weil man dann gleich auf die Versorgung dieser teueren Fingerprothese verzichten kann.

Ich stellte auch fest das in Abwicklung und in Basicversion wohl das Interesse der Anbieter auch gering ist, so mein Eindruck bisher.

Ich spiele im Kopf schon einige Varianten durch, sogar die eigene Herstellung so einer Fingerprothese aus Silikon. Die Werbeversprechen aller führenden Hersteller in Deutschland kann man auch getrost vergessen, selbst wenn man eine Zusage von seiner Krankenkasse für die mindere "Basic- Versorgung" hat, ist ihr Interesse ebenso gering.

Wie es weiter geht weiss ich noch nicht, nur eines weiss ich schon, mit einer Fingerprothese für zweitausend Euro, die jeder sofort als solche auch erkennen kann, möchte ich nicht den Rest meiner Tage leben.

Eine Beinprothese kann man kaschieren, eine Prothese an der Hand oder im Gesicht aber nicht, sie ist immer sichtbar. Genau deshalb müsste auch eine kosmetische Anforderung berücksichtigt werden von den Kassen. Weil man aber weiß unter den Anbietern, das die Kassen dass eben nicht machen, bleibt man als Betroffener auf den Mehrkosten sitzen, wird geradezu genötigt diese zu bezahlen.

Ich hatte mich wohl zu früh gefreut und weiß noch nicht ob ich den Klageweg gehen soll. Ich habe dazu noch keine Entscheidung getroffen und bin gespannt was ihr dazu schreibt!

Die Anbieter dieser Fingerprothesen in Deutschland und auch die Kassen sollten sich schämen mit amputierten Menschen und ihrer Not so umzugehen, es ist eine Schande wenn man für "Farbmischung oder Applikation eines Fingernagels" für die Prothese, noch solche hohen Aufpreise zusätzlich abverlangt und die Krankenkassen den Anbietern bei diesem traurigen Spiel nicht einmal ein Ende setzen.

So drehe ich mich im Kreis, bin schwer enttäuscht und auch verärgert, weil man mich als Patient geradezu veräppeln möchte!

Liebe Grüße an euch..
Gerd

Martha
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Martha » Di Mai 05, 2020 12:36 pm

Hallo Gerd,
ich Kann deinen Ärger und deine Enttäuschung absolut nachvollziehen. Man hat eh schon zu kämpfen und ist deprimiert und dann werden einem von der Krankenkasse, in die man zum Teil schon Jahrzehnte eingezahlt hat, Steine in den Weg gelegt. Das ist echt zum ...... Ich glaube du kannst dir auch Unterstützung beim SoVD holen. Das sind Profis die dir juristisch mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt. In diesem Sinne, alles Gute
Martha

Ingeborg
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Ingeborg » Di Mai 05, 2020 1:27 pm

Hallo Gerd,
laß Dich juristisch beraten, denn das Ergebnis ist mehr als unbefriedigend. Nach meinen früheren Recherchen zu Urteilen fand ich a) nur wenige und b) nur solche, in denen es um die Prothese nur des Fingerendgliedes ging, die negativ ausgingen. Wenn ich Dich richtig verstehe, ist bei Dir der halbe Finger amputiert. Also eine nicht vergleichbare Situation in mehrerer Hinsicht. Die Kasse auf der anden Seite unterliegt nach dem SGB V, so ich nicht irre, dem Wirtschaftlichkeitsgebot.
Die juristische Beratung kann Dir sicher sagen, ob es bereits Urteile zu Amputationen 2-er Fingerglieder gibt oder nicht. Je nachdem und Deiner individuellen Situationen würde ich (sonst) zu einer Klage raten, soweit Du Kraft dazu hast.
Schicke Dir noch eine PN.
Alle guten Wünsche für Dich,
Ingeborg
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Lotta
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Lotta » So Aug 02, 2020 7:36 pm

Hallo lieber Gerd,

wie ist es Dir denn in der Zwischenzeit ergangen? :)

Ich habe das hier ein bisschen quer gelesen. Ich bin 31 Jahre jung. Mir wollten sie bereits zwei Mal das Bein amputieren, ich konnte es jedoch verhindern und es war in meinem Falle auch richtig. Ich habe Wegener Granulomatose mit Nekrosen, die tief ins Gewebe über die Haut hinaus gehen. Mittlerweile ist das Bein durch die richtige Behandlung kein großes Thema mehr. Damals jedoch zersetzte sich sogar der Schienbeinknochen etwas, doch auch der baute sich wieder von allein auf, was ein sehr großes Glück ist.
Ich kann Deine Verzweiflung nicht nur erfassen, sondern geradezu auch mitfühlen. Auch, dass Du nicht gern unter Menschen gehst.
Nun habe ich bei dem Ganzen gar nicht gelesen, ob Du Dir psychologische Unterstützung holst?

Mit unseren Erkrankungen kann ich nur dazu raten. Mir hilft es sehr, obwohl es bei mir derzeit nur ein Antidepressivum ist. Mein Bein stelle ich im Sommer offen zur Schau, wenn ich gern eine kurze Hose tragen möchte oder ein Kleid. Ich nehme die Blicke nicht wahr.
Früher ist es mir schon mehr aufgefallen, da kamen von mir dann so Aussagen wie: "Wenn Sie noch länger schauen, brauche ich Eintritt" oder "Für die Geschichte dazu nehme ich 10 Euro". Mittlerweile finden die Leute hier im Ortsteil mein Bein ganz normal. Die meisten kennen es schon, die Nachbarn waren immer ganz normal zu mir. Wir haben hier viele kranke Menschen und auffällige Leute, da sagt keiner was.

Aber ich weiß, wie es ist, wenn man im Spiegel nicht mehr den Menschen finden kann, der man war. Wichtig ist aber, dass Du den Menschen siehst, der Du jetzt bist. Und das was ich so lese, demnach bist Du ein starker Mensch, der für sich einsteht und kämpft. Ein Kämpferherz. Jemand, der weiß, was er will und braucht, jemand, der seine Gefühle wahrnimmt und ausdrückt.
Alles andere ist doch nur beiläufig. Dick, dünn, rote Haare, keine Haare, lange Beine, kurze, 10 Finger oder 5. Damit meine ich, das optische bestimmt nicht Deinen Wert. Deinen Wert bestimmst nur Du allein. Und dafür brauchst Du den Spiegel nicht.

Ich wünsche Dir alles Gute. Halt die Öhrchen steif. :)

LG Lotta
Ich muss nicht mit meiner Erkrankung leben. Meine Erkrankung muss mit mir leben. 8-)

Ingeborg
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Re: Diagnose hinterfragen

Beitrag von Ingeborg » So Aug 02, 2020 9:11 pm

Hallo lieber Gerd,
auch ich bin recht interessiert, ob und wie Du weiter vorgegangen bist. Einen weiteren Vorschlag hatte ich Dir im Mai per PN gemacht, den Du noch nicht gelesen hast, aber mit dem das Problem, wenn Du Dich bei mir per PN melden würdest, evtl. auch ohne die Anstrengung einer Klage beendet sein könnte. Schau doch mal rein.
Mit besten Wünschen,
Ingeborg
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