von Elena Csernok
Antineutrophile cytoplasmatische Antikörper (ANCA) haben seit ihrer Entdeckung vor etwa 20 Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen bei der Diagnostik als auch bei der Therapie von Patienten mit systemischen Vaskulitiden, wie zum Beispiel der Wegener'schen Granulomatose (WG) oder der mikroskopischen Polyangiitis (MPA). ANCA sind eine Gruppe von Autoantikörpern gegen Bestandteile weißer Blutzellen. Autoantikörper sind Abwehrstoffe, die das Immunsystem (=Abwehrsystem) gegen den eigenen Körper (auto=selbst) bildet. Bei Gesunden lassen sie sich nicht nachweisen. Warum solche Autoantikörper gebildet werden, ist bisher noch unklar. Sie scheinen aber bei der Entstehung von Vaskulitiden eine wichtige Rolle zu spielen.
Der ANCA-Nachweis im Blut wird oft mit der indirekten Immunfluoreszenzmikroskopie durchgeführt. Hierzu werden weiße Blutzellen von Gesunden besonders präpariert. Dann gibt man verdünntes Blut des Patienten hinzu. Die darin vorhandenen ANCA verbinden sich mit den weißen Blutzellen. Diese werden dann in einem weiteren Schritt sichtbar gemacht und sind dann im Mikroskop an ihren fluoreszierenden Farben zu erkennen. Man unterscheidet zwei verschiedene ANCA-Fluoreszenzmuster: die klassischen cANCA von den erst später entdeckten pANCA (p für perinukleär, weil sich diese ANCA wie ein Ring um den Zellkern der weißen Blutzellen legt). cANCA finden sich bei der Wegener'schen Granulomatose und manchmal auch beim Churg-Strauss-Syndrom, pANCA bei der Mikroskopischen Polyangiitis, selten auch beim Churg-Strauss-Syndrom und der Wegener'schen Granulomatose. Bei den anderen Vaskulitiden findet man keine ANCA.
Die Beurteilung der verschiedenen ANCA-Fluoreszenzmuster erfordert ausgeprägte Kenntnisse und Erfahrungen. Daher sollte die ANCA-Bestimmung spezialisierten Labors vorbehalten sein. Um die Werte im Krankheitsverlauf vergleichen zu können, ist es auch wichtig, dass die Bestimmung immer im gleichen Labor erfolgt. Eine erfolgreiche medikamentöse Behandlung führt meist zu einem Abfall des ANCA-Wertes. Dagegen kündigen sich Vaskulitis-Rückfälle bei vielen Patienten häufig schon durch einen Anstieg des ANCA-Wertes an, noch bevor der Patient Beschwerden hat. Diese ANCA-"Bewegungen" wurden insbesondere bei der WG beobachtet, weniger häufig bei anderen Vaskulitiden. Also regelmäßige ANCA-Bestimmungen sind neben den anderen Blutkontrollen wichtig! Wie häufig das sein soll, hängt von der momentanen Krankheitsaktivität ab. Wenn die Krankheit lange in Remission ist, genügen ANCA-Kontrollen alle drei bis sechs Monate.
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13.08.2002
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