Neurologische Diagnostik bei Vaskulitiden

Vaskulitis - aus der Sicht des Neurologen
von Dr. med. A.C. Arlt, Rheumaklinik Bad Bramstedt

Das periphere Nervensystem ist häufiger betroffen als Gehirn, Rückenmark und Muskulatur
Zu den möglichen Organbeteiligungen bei Vaskulitiden gehören auch Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks (beides bezeichnet als ZNS-Erkrankungen) sowie der Nervenwurzeln, der peripheren Nerven und der Muskulatur. Die Diagnostik solcher Erkrankungen ist Aufgabe der Neurologie. Je nach Art der zugrundeliegenden Vaskulitis ist das Verteilungsmuster neurologischer Erkrankungen und die Häufigkeit neurologischer Komplikationen sehr unterschiedlich. Insgesamt kann festgestellt werden, dass Vaskulitiden das periphere Nervensystem relativ häufig betreffen, das Gehirn, das Rückenmark und die Muskulatur eher selten.

Aufgrund einer neurologischen und psychiatrischen Untersuchung sowie Erhebung der Krankengeschichte kann sich ein Verdacht auf eine Erkrankung eines Teils des Nervensystems oder der Muskulatur ergeben. Es werden anschließend häufig Zusatzuntersuchungen durchgeführt, um einen vermuteten Krankheitsprozess genauer zu lokalisieren und dessen Ausmaß zu erfassen. Die häufigsten, zusätzlich angewendeten Untersuchungen seien kurz erwähnt:

Bei der Elektroneurographie wird die Leitgeschwindigkeit motorischer und sensibler Nervenfasern, bei einer Elektromyographie mit Hilfe von dünnen Nadel- Elektroden die elektrische Aktivität der Muskelzellen gemessen. Die Elektroenzephalographie ermittelt mit Oberflächenelektroden die Hirnströme. Bei Ableitung visuell, akustisch oder somatosensorisch evozierter Potentiale werden die jeweiligen Leitungsbahnen der Sinnesorgane untersucht. Mit Hilfe der Doppler-Sonographie und Duplex-Sonographie werden die Strömungsverhältnisse der Blutgefäße des Halses und des Gehirns ermittelt und bildlich dargestellt. Per Lumbalpunktion kann eine Untersuchung des Nervenwassers vorgenommen werden. Gelegentlich werden Gewebeproben aus der Muskulatur oder aus peripheren Nerven entnommen, um eine vermutete Vaskulitis histologisch zu sichern.

Medikamentöse Therapie soll die Entzündung hemmen
Wenn bei einer Vaskulitis eine Mitbeteiligung des Nervensystems und/oder der Muskulatur nachgewiesen sind, steht die Therapie der Grunderkrankung, d.h. der Vaskulitis, im Vordergrund. Bei Vaskulitiden sind nur selten ausschließlich Teile des zentralen oder peripheren Nervensystems sowie der Muskulatur betroffen, es wird womit der Neurologe nur selten allein über die Art der Therapie entscheiden. Die Therapieentscheidung wird unter eine Beurteilung der Art der Vaskulitis, der Krankheitsaktivität und der Ausdehnung der Krankheit (Welche Organe sind betroffen? Sind lebensbedrohliche Komplikationen zu befürchten?) festgelegt. Im Regelfall wird eine medikamentöse Therapie eingeleitet, die das Ziel hat, die Aktivität der Entzündung zu hemmen.

Die Therapie wird nicht allein vom Neurologen bestimmt
Zusätzliche spezielle, neurologische Therapieverfahren hängen jeweils von Ort, Art, Ausmaß und Folge der Krankheitsmanifestation im Einzelfall ab. Sie umfassen medikamentöse Therapien (z.B. Medikamente gegen epileptische Anfälle, Medikamente mit Wirkung auf die Blutgerinnung), krankengymnastische, ergotherapeutische, logopädische und physiotherapeutische Maßnahmen, Hirnleistungstraining und anderes.

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13.08.2002